In den fünf Monaten seit Mitte Mai, in denen wir unsere zehn Hühner – plus Chef Mario natürlich – inzwischen besitzen, haben sie ihr vormals grünes Gehege ganz schön abgefressen. Hier ein Vergleichsbild vom Beginn und mit dem aktuellen Zustand:
Zudem steht die Sonne immer niedriger, und durch die hohen Bäume in unserem Garten ist das Gehege relativ schattig und dunkel. Daher haben wir unsere liebe Nachbarin gefragt, ob wir einen kleinen Teil ihres Feldes nutzen dürfen, um den Auslauf um ein paar Quadratmeter zu erweitern. Der professionelle Bauplan sah dann folgendermaßen aus :
Nun habe ich in den letzten Tagen den Zaun gebaut und heute früh jetzt den Durchgang geöffnet.
Die fünf braunen (Lohmann) waren wie üblich mutiger als die weißen (Bovan), aber inzwischen freuen sie sich alle über das Grünzeug und die frischen Insekten, die sie hier finden.
Ich hoffe, die Elche, die hier oft an unserer Grundstücksgrenze entlangspazieren, machen den Zaun nicht versehentlich kaputt. Und auch, dass die Hühner weder ausbrechen können, noch ein Raubtier hineinkommt. Das Netz gegen Greifvögel ist zumindest gespannt.
Als weitere Vorbereitung auf den Winter haben wir Licht im Stall installiert, das per Timer morgens und abends angeht. Zudem eine kleine Lichterkette, die sich erst eine halbe Stunde nach dem großen Licht ausschaltet. Der Grund dafür ist, dass die Hühner sich nicht mehr bewegen, wenn es schlagartig dunkel ist, und dann nicht mehr auf die Sitzstangen zum Schlafen gehen. Ein zusätzlicher Futterautomat im Stall versorgt sie jetzt also auch im Winter ca. 12 Stunden am Tag mit Legefutter, trotz des kürzeren Tageslichtes. Wir lassen sie aus dem Stall, wenn es hell ist (da dann die Haupt-Jagdzeit der Füchse vorbei ist), und schließen den Stall abends, sobald alle drin sind. Ob das alles jetzt insgesamt die richtige Vorgehensweise ist, weiß ich nicht – es wird unser erster Winter als Tierhalter. Eine zusätzliche Steckdose, um wenn nötig eine Wärmelampe anzubringen, ist jedenfalls vorhanden. Mal sehen, wie viele Minusgrade der schwedische Winter diesmal zu bieten hat – letztes Jahr ja kurzzeitig bis minus 33…
Außerdem war ich letzte Woche auch das erste Mal beim Schlachten von Hähnen bei einer Nachbarin dabei, um es zu lernen. Ich will mich schließlich auf alle Eventualitäten vorbereiten, auf die man als Hühnerhalter so treffen kann. Es war sehr interessant und ich konnte zum Glück auch gut damit umgehen. Davon bin ich zwar an sich ausgegangen, aber sicher kann man sich ja nicht sein, wenn man das noch nie hautnah miterlebt hat…
Gestern hat die jährliche Elchjagd in unserem Jagdgebiet stattgefunden, an der ich nun schon zum vierten Mal teilgenommen habe. Die Beiträge der letzten Jahre zu diesem Thema sind folgende:
Auch dieses Jahr hat alles mit dem Vereinstreffen begonnen, bei dem unter anderem über Rollenverteilung (z.B. Einsatz des Jagdleiters), Regeln, Neuerungen und die Quote gesprochen wird. Dieses Jahr besteht sie aus einem erwachsenen Tier und es wurde beschlossen, einen Jungbullen zu schießen.
Das Für und Wider der gesamten Elchjagd habe ich in vielen Gesprächen und auch hier im Blog bereits oft erörtert. Beide Seiten sind an sich verständlich. Wer durch Schweden reist und jeden Elch am Straßenrand als Highlight empfindet (so geht es auch mir nach wie vor), findet es zunächst seltsam, sie zu jagen. Wer hier aufgewachsen ist und es als Tradition erlebt (bei der in vergangenen Jahren in einer Woche 30 und mehr Tiere erlegt wurden) und bei diesem Anlass einmal im Jahr die Bekannten des Jagdvereins trifft, hat ebenfalls verständliche Gründe. Und es gibt noch viele weitere Aspekte zu beachten. Für mich persönlich ist es ein schöner Tag in der Natur mit vielen netten Menschen, an dessen Ende wir Fleisch von einem Tier bekommen, das ein komplett freies Leben führen durfte. Da ich selbst zu wenig über die genaue Entwicklung der Elchpopulation hier in unserem Bereich weiß, vertraue ich darauf, dass die Quote nicht zu hoch gesetzt wird und das Überleben der Art gesichert ist (auch unter Berücksichtigung des Gen-Pools, der nicht zu sehr ausgedünnt werden darf). Und da ich die Mitglieder unseres Vereins allesamt als vertrauenswürdig einschätze, freue ich mich jedes Jahr darauf. So also auch dieses.
Der nächste Termin nach dem Vereinstreffen ist immer das Vorbereiten der Sitzplätze für die Jäger. Für alle, die noch keinen der bisherigen Beiträge gelesen haben: es handelt sich um eine Treibjagd. Dieses Jahr waren wir, soweit ich weiß, elf Treiber und sechzehn Schützen. Das gesamte Jagdgebiet ist in kleinere Gebiete unterteilt. An der Grenze eines solchen Bereichs sitzen die Schützen im Abstand von ein-, zweihundert Metern. Die Sitzplätze der Schützen werden mit roten Bändern markiert (Kriterien sind gute Sicht, freie Flächen etc.), der Weg bis zum nächsten Sitzplatz mit blauen Bändern. Diese Markierungen finden am Vorbereitungstag statt:
Am Vortag der Jagd, also diesen Montag, war abends bei der Jagdhütte nochmal eine Vorbesprechung. Auch die Schlachthütte nebenan wurde vorbereitet (Wasser- und Stromanschluss vom benachbarten Grundstück gelegt etc.).
Am Dienstag – gestern – um 7 Uhr war Treffpunkt. Es war im Gegensatz zu den letzten drei Jahren nicht eiskalt und sonnig, sondern leicht regnerisch. Nach Kaffee am Lagerfeuer und Begrüßung ziehen die Jäger ihre Sitzplatz-Nummern und machen sich auf den Weg. Sie marschieren also entlang einer blau markierten Linie und bei Platz eins bleibt der erste sitzen, und so weiter (so stelle ich es mir zumindest vor, ich bin ja nicht dabei). Wir Treiber machen uns anschließend ebenfalls auf den Weg. Ein Teil der Jagdgruppe verwendet die App „We Hunt“, mit der die Jagd ins digitale Zeitalter befördert wird, was an sich nicht notwendig, aber eine interessante Spielerei ist. Hier drei Screenshots, die ich im Folgenden erkläre:
Links sieht man blau umrandet das gesamte Jagdgebiet des Vereins. Grün sind die potentiellen Sitzplätze der Jäger, je nachdem in welchem Teilgebiet zuerst gejagt wird. Die orangenen Punkte sind andere Mitglieder. Ein schwarzer Stern markiert einen Ort, an dem in den Vorjahren einmal ein Elch geschossen wurde. Es werden auch Sichtungen eingetragen, da es nicht nur um die Jagd geht, sondern auch um Bestandsaufnahme.
Im mittleren Bild ist orange mein eigener gegangener Weg zu sehen. Ich bin mit den anderen Treibern an der Jagdhütte gestartet (in der Mitte des Kreises), bin den Weg hinunter zur Straße und rechts abgebogen. Dort haben wir uns im Abstand von ca. zweihundert Metern aufgestellt, parallel zur Linie der Schützen. Jeder hat einen Kompass. Auf das Startsignal hin geht man rufend los, hier waren es 315 Grad und damit zufälligerweise parallel zum zuerst gegangenen Weg. Man treibt also die Elche, die sich zur für sie falschen Zeit am falschen Ort befinden (nämlich zwischen Treibern und Jägern) vor sich her. Nach etwa einer halben Stunde, die ich mich „Servus“ rufend durchs Unterholz geschlagen habe, hörte man die drei Signalschüsse für das Zeichen, dass ein Elch geschossen wurde. Man geht dann trotzdem noch ganz normal weiter, bis man die Information bekommt, dass das Tier wirklich erlegt und nicht nur angeschossen ist. Daraufhin ging ich zurück zur Hütte, so dass der orangene Weg diesmal insgesamt ein Rechteck darstellt.
Auf dem rechten Bild sieht man nochmal die Jagdhütte „Mohydda“, also den Treffpunkt. Dort gibt es dann erstmal Würste, Kaffee und Kuchen am Lagerfeuer:
Ein anderer Teil der Gruppe ist stattdessen natürlich zunächst damit beschäftigt, den Elch aus dem Wald zu holen. Es war ein zwei- oder dreijähriger Bulle. Diesmal war es wohl so eine schwer zugängliche Stelle, dass das ganz schön lang gedauert hat. Ich habe in der App ein ScreenRecording aufgenommen, bei dem man sieht, wie sich diejenigen, die den Elch transportieren, langsam durch den Wald fortbewegen. Das Video ist in doppelter Geschwindigkeit. Im Zentrum der Kreise die Jagdhütte, in der ich mich befand, und rechts sieht man orange wieder meine Wegstrecke:
Sobald er da ist, beginnt das Häuten, Ausnehmen und Aufhängen für die Zerteilung – ein faszinierendes Handwerk, das die erfahrenen Jäger beherrschen. Ich finde es richtig gut, dass viele Kinder und Enkel der Mitglieder dabei waren und diesen seit hunderttausenden von Jahren natürlichen Prozess hautnah miterleben. Diesmal habe ich aktiv geholfen und das erste Mal ein Bein festgehalten. Es fühlt sich zunächst an, als würde man einen Pferdehuf zum Auskratzen halten, und umso komischer, wenn das Bein dann abgesägt wird und man nur noch den Huf auf die Seite weglegt. Der Haufen mit Füßen, Haut etc. kommt zurück in den Wald. Die Gedärme wurden dort bereits vor dem Transport entnommen und die restlichen Innereien bekommen die Jagdhunde, wobei ich das Herz für 50 Kronen ersteigern konnte:
Die Jagd wurde anschließend für beendet erklärt und heute Abend fand die Feier statt. Unser Jagdleiter hatte gestern für viele überraschend seinen Rücktritt angekündigt, daher gab es viele Anekdoten zur Verabschiedung nach so vielen Jahren. Auch ich habe ein paar Worte dazu gesagt, wie herzlich wir in dem Verein aufgenommen wurden. Es gab Köttbullar mit brauner Sauce, Kartoffeln, Karotten-Erbsen-Gemüse, Lingonsylt und Knäckebrot. Anschließend den leckeren Kuchen, dessen Kerze immer der Schütze des Jahres ausbläst. Gerade bin ich heimgekommen, es war wieder ein richtig schöner Abend.
Übermorgen findet die Zerlegung und Verteilung des Fleisches statt. Auch dabei werde ich mithelfen.
Die erste Frost-Nacht liegt bereits hinter uns: vor einigen Tagen hat das Außenthermometer morgens minus 4 Grad angezeigt, als ich mich auf den Weg in die Schule gemacht habe. Das ist jetzt etwa zwei Wochen früher der Fall als in den letzten Jahren – meistens fiel die erste Nacht unter Null auf die Zeit der Elchjagd Mitte Oktober. Es ist ein wirklich schöner und fast schon überraschend langer Herbst – oft hatten wir in den letzten drei Jahren eher den Eindruck, es ist erst noch Sommer, plötzlich ist ZACK! alles reif und muss geerntet und verarbeitet werden, dann ist es nur ganz kurz herbstlich-regnerisch und daraufhin kommt schon der Winter. Dieses Jahr aber haben wir bereits mehrere Wochen lang tagsüber angenehme Temperaturen um die 10-14 Grad, Sonnenschein, blauen Himmel und buntes Laub an den Bäumen. Auf dem Weg zu unserem neuen Crossfit-Studio liegt diese wunderschöne Allee:
Dass alles plötzlich auf einen Schlag geerntet und dann auch zeitnah verarbeitet werden muss, war aber natürlich auch dieses Jahr wieder der Fall. Wie schon im letzten Beitrag erwähnt, lief einiges beim Gemüseanbau ganz gut: fünf Kisten Kartoffeln lagern wieder im Erdkeller des Nachbarn wie im letzten Winter, viele Kilo Äpfel wurden verarbeitet, verschenkt, gegessen und verfüttert. Nun kommen noch Chili aus dem Folientunnel hinzu sowie die Tomaten, für die die Sonne leider nicht mehr ausreicht, um noch rot zu werden. Karotten und Salat essen wir momentan oft frisch aus dem Garten. Das Highlight ist die Kartoffel-Lauch-Zucchini-Suppe mit gekochten Eiern, die wir jetzt schon mehrmals hatten und die komplett aus selbst angebautem Gemüse besteht. Ein sehr schönes Gefühl. Den Kürbis (…den einen großen) gibt es heute Abend ebenfalls als Suppe.
Auch die weiteren Winter-Vorbereitungen laufen. Die Gartengeräte werden geputzt und alles wird so hergerichtet und aufgeräumt, dass man zumindest alles dafür getan hat, dass alles dann im April in einem passablen Zustand ist und man die nächsten sechs bis sieben Monate über beruhigt sein kann. Bis zum Frühling war das gesamte Grundstück letztes Jahr über den Winter fast unberührt (abgesehen von der Arbeit mit den gefällten Bäumen zur Feuerholz-Verarbeitung), aber dieses Jahr wird das durch unsere Tiere anders: zumindest die Strecke hinter zum Stall muss jeden Tag ein paar Mal gegangen werden (morgens rauslassen, tagsüber Eier holen und Futter auffüllen, abends einsperren… und zwischendurch kontrollieren, dass das Wasser nicht gefroren ist). Die Hühner haben nun also ein Verlängerungskabel vom Haus zu ihrem Gehege bekommen, an welches wir zeitgesteuerte Lampen anschließen können. Da es sich bei unseren zehn Hennen um Hybrid-Rassen handelt (Bovan und Lohmann), sind sie darauf gezüchtet und ausgelegt, das ganze Jahr hindurch Eier zu produzieren. Zu kurzes Tageslicht führt aber dazu, dass sie in den paar Stunden zu wenig Nahrung aufnehmen, da Hühner sich im Dunkeln nicht mehr rühren – das wäre dann ungesund für sie. Deshalb haben wir jetzt also Licht organisiert und könnten auch eine Wärmelampe anschließen, wenn es richtig kalt wird (hoffentlich nicht wie letztes Jahr minus 33 Grad). Der Hahn Mario ist gerade in der Mauser und hat alle Schwanzfedern verloren, aber abgesehen davon scheint es allen elf gut zu gehen und wir geben unser Bestes, dass das den Winter über so bleibt. Ansonsten gibt es notfalls Hühnersuppe…
Ein Nachbar hat diesen Herbst unser Feld beim Hütten-Grundstück gemäht. Es ist besser für den Boden, wenn das hohe Gras vor dem Schnee abgemäht wird, aber für die kleine Fläche (ca. ein Hektar) lohnt es sich für die meisten Bauern der Umgebung nicht, extra Heuballen daraus zu produzieren. Auch er hat darauf verzichtet und einfach nur netterweise das Gras im vorderen, flachen Teil geschnitten.
Das Schuljahr in Bayern hat begonnen und dadurch auch mein Online-Unterricht in Ethik und Deutsch für verschiedene Abiturklassen nach altem und neuem Lehrplan. Auch hier in der Schule läuft es sehr gut, es macht mit sehr viel Spaß in der ersten Klasse. Ich werde nur manchmal damit konfrontiert, dass mein Schwedisch noch nicht ganz ausreicht, um souverän sowas wie „SO LEUTE, IHR SETZT EUCH JETZT GEFÄLLIGST HIN UND SEID LEISE, ICH HAB ES EUCH SCHON HUNDERT MAL GESAGT UND LANGSAM REICHTS MIR“ rüberzubringen 😉
Eine weitere rechtzeitige Neuerung vor dem Winter haben wir auch erledigt: die Wasserleitungen bei unseren Ferienhütten haben jetzt ein Ventil, um das Wasser im Winter komplett zu entleeren. Dann ist es kein „Pokern“ mehr, ob die Leitungen brechen oder nicht – wir sind auf der sicheren Seite und können das Wasser in Bad und Küche weiterhin verwenden, ohne und Sorgen um die Außenanschlüsse machen zu müssen. Ein Problem weniger – so kann der Winter kommen, aber jetzt genießen wir erstmal noch die rechtliche Herbstzeit!
Erntedankfeste sind in der menschlichen Kultur tief verankert und lassen sich nahezu in jedem Teil der Welt finden. In der Regel sind sie mit einer religiösen Tradition verbunden, aber auch aus Zeiten beispielsweise vor Entwicklung der christlichen Religion sind Rituale und Feste, die eine Dankbarkeit für die Ernte ausdrücken sollten, bekannt.
Während ich in meinem Leben nie bewusst an einem solchen ritualisierten Feiertag teilgenommen habe, merke ich doch, wie mich mein Leben hier in Schweden nah an die Essenz dieser Feste heranrückt.
Wir sind in unserem dritten Jahr in Schweden, und erleben somit unseren dritten eigenen Erntezeitraum. Bisher können wir noch lange nicht von Routine reden, und jedes Jahr hatte seine Eigenheiten. In diesem Jahr war der Frühling sehr geprägt von viel Niederschlag, und vieles von dem, was wir angepflanzt haben, hat nicht gut funktioniert. Tomaten hatten wir bisher kaum, inzwischen sind zwar einige an den Pflanzen, aber ob die noch reif werden, ist fraglich. Wir hatten viele Kürbispflanzen, die auch gut gewachsen sind, aber haben letztlich nur einen großen und einen kleinen Kürbis zur Ernte gehabt – zusammen etwa 8,5kg. Mangold und Rote Bete, die wir in Beeten im Freiland angepflanzt haben, sind in diesem Jahr vom Wild, was regelmäßig in unseren Garten wandert, gestutzt worden.
Unsere Kartoffeln in diesem Jahr sind dagegen richtig gut geworden, da konnten wir um die 100kg oder sogar etwas mehr ernten (wir wiegen das nicht und schätzen nur). Und auch die Äpfel sind in diesem Jahr massiv an den Bäumen gewachsen und waren so gut wie nicht verwurmt. Ich schätze, dass an unseren 5 Bäumen insgesamt mindestens 200kg Äpfel gewachsen sind, wahrscheinlich sogar mehr. Davon habe ich nur etwa 15kg aktiv verarbeitet, einige haben wir einfach so gegessen, und der Großteil vom Rest war entweder Futter für Elche und Rehe, die sich daran erfreut haben, oder Futter für die Schweine der Nachbarn.
Das Leben in Schweden hat mich nicht nur grundsätzlich näher in die Natur gerückt, sondern mir auch ermöglicht, zumindest einen nicht unbeträchtlichen Teil unserer Nahrungsmittel selbst anzubauen, zu sammeln, oder aus direkter Nachbarschaft zu beziehen. Das habe ich mir in meinem vorherigen Leben in Mietwohnungen schon immer gewünscht.
Zunächst einmal führt das dazu, dass sich die Qualität unserer Lebensmittel an sich stark verbessert hat. Sie sind frischer, garantiert „bio“, ohne ein Biosiegel zu haben. Durch die Frische, das Futter und die Haltungsform sind sie sicherlich auch erheblich nährstoffreicher.
Essen und Lebensmittelbeschaffung beziehungsweise -produktion sind mit das Menschlichste, was es gibt, die absolute Basis des Daseins.
Von dieser Basis haben wir uns aber in der modernen Gesellschaft stark entfremdet. Der Großteil der Menschen lebt in Städten, und ein guter Teil dieser Menschen hat noch nie einen Samen gepflanzt, aus dem etwas entstanden ist was man später essen kann, und noch nie zugesehen, wie ein Tier lebt, das oder dessen Produkt man später isst. Stattdessen geht man in der Regel in ein Geschäft und kauft das fertige Lebensmittel, was es leicht macht (und zu einem gewissen Grad sogar zwangsläufig dazu führt) blind gegenüber allem zu sein, was nötig war, um dieses Lebensmittel zu produzieren. Also Arbeitskraft, Zeit, natürliche Ressourcen, Kompetenz und so weiter.
Ich will auf gar keinen Fall argumentieren, dass die Möglichkeit, Lebensmittel bequem ohne Mühe einzukaufen schlecht ist. Wie das Meiste in unserer Zeit benötigt es aber Mühe, in Form von Gedanken und Achtsamkeit (ja ich weiß, ein Buzzword), um unter diesen Umständen nicht den Kontakt zu eben der Basis zu verlieren, die unser Menschsein ausmacht.
Wer unbedacht und ahnungslos Lebensmittel konsumiert, ist blind dafür, dass die Wahl der Lebensmittel vielleicht Ausbeutung, Leid, Zerstörung unterstützt.
Wer nicht weiß, wie Lebensmittel produziert werden, kann auch wesentlich schlechter verstehen, wie unnatürlich und minderwertig viele Lebensmittel sind, die unter das breite Label „convenience food“ fallen.
Analog dazu verliert jemand, der alle Bequemlichkeiten des modernen Lebens genießt und körperlich nie hart und/oder bewusst arbeitet (beruflich, oder in Form von Sport) den Bezug zur eigenen Körperlichkeit, die eine weitere, Ur-menschliche Basis des Daseins darstellt.
Ich persönlich denke jedenfalls manchmal, aber nicht sehr oft, daran, dass es schade ist, jetzt nicht schnell eine Pizza von der hervorragenden Pizzeria gegenüber zu bestellen, oder ein Thaicurry, das dann bequem geliefert wird, wie ich es manchmal in München gemacht habe.
Ungleich öfter gehe ich aber in den Garten und spüre ein unerwartetes Glück, eine tiefe Zufriedenheit und Dankbarkeit, wenn ich etwas wachsen sehe, wenn ich die Kreisläufe, Wechselwirkungen und Wirrungen der Natur direkt beobachten kann und mich als Teil dieser Natur sehen und fühlen kann.
So kann ich die Arbeit unserer menschlichen Vorfahren schätzen, die es, in letzter Konsequenz, möglich gemacht haben, dass ich nun, ohne große Not, all das erleben und genießen kann.
Ich kann nur an jeden appellieren, sich zumindest ein Stück weit auf den Anbau oder die Produktion von Lebensmitteln einzulassen. Das ist selbst in einer kleinen Mietwohnung zu einem gewissen Grad möglich (Balkon oder Fensterbrett), und in jedem noch so kleinen Garten ohnehin. Dann steht früher oder später auch die erste Ernte an, und wer weiß: vielleicht taucht auch ganz überraschend ein kleines Gefühl der Dankbarkeit auf.
Die erste Schulwoche in der ersten Klasse liegt hinter mir und ich genieße die Arbeit sehr. Das Kollegium ist extrem nett und hilfsbereit, die Schule wirkt sehr gut strukturiert und organisiert. Es gibt große Unterschiede zum Schulalltag, wie ich ihn aus Deutschland kenne, wobei man da immer die Kriterien Stadt/Land sowie die Jahrgangsstufen mit berücksichtigen muss. Ich schreibe wahrscheinlich demnächst mal einen ausführlicheren Artikel dazu. Kurz zusammengefasst ist in erster Linie positiv zu erwähnen, dass sämtliche Materialien für alle Kinder gestellt werden (Hefte, Arbeitsbücher, Stifte, Schere, Radiergummi, Spitzer, Ordner, Bücher…) und auch für die Lehrer (Laminierfolien, jeder hat einen eigenen Laptop etc). Weiterhin das kostenlose, warme Mittagessen für alle Kinder und alle beaufsichtigenden Lehrkräfte. Wer in die zusätzliche Freizeitbetreuung geht, erhält auch ein Frühstück und nachmittags eine weitere Mahlzeit. Die Eltern wurden ausschließlich aufgefordert, Obst für die erste Pause mitzugeben. Nüsse und Süßigkeiten sind verboten und wir hatten bereits eine Fortbildung zum Thema Lebensmittelallergien und zB. zur Anwendung eines EpiPen im Notfall. Alles wirkt sehr gut durchdacht und vernünftig.
Unsere Apfelbäume sehen an sich sehr gut aus dieses Jahr. Einer ist ja leider letztens abgebrochen (zwei andere haben wir jetzt abgestützt) und bis zur Höhe eines klassischen Elch-Kopfes sind sie alle kahlgefressen, aber die oberen Äpfel sind zahlreich und kaum verwurmt. Es gab schon den zweiten Apfelkuchen…
Ein Elchkalb ohne Mutterkuh ist in den letzten Tagen mehrmals bei uns und auch von Nachbarn gesehen worden, was unüblich ist, da sie eigentlich bis zum Frühjahr zusammenbleiben. Nach Einschätzung der Jäger würde es den Winter vermutlich allein nicht überleben. Aber von einem Autounfall, der die Mutter getötet haben könnte, hat bisher niemand etwas mitbekommen…
…Aber wenn man sieht, wie unerschrocken nah die Elche oft an die Straße kommen, wundert die Zahl der Unfälle leider nicht. Dieses Bild stammt von meinem Weg in die Arbeit letzte Woche.
Ein weiterer Erfolg neben den Äpfeln sind wohl auch diese Saison wieder die Kartoffeln. Sie sehen toll aus, kaum grüne oder schwarze Flecken. Zum Lagern ist die Schale noch zu dünn, daher ernten wir momentan nur alle paar Tage einige Pflanzen direkt zum Kochen, aber es sieht nach einem guten Ertrag aus.
Und natürlich, das darf ja nicht fehlen, ein Update der Hühner: alles wunderbar, wir essen, verschenken und verkaufen fleißig Eier. Eins ist letztens wieder ausgebüchst, als ich mit einer Motorsense gearbeitet habe und versehentlich ein Loch in den Drahtzaun geschnitten habe, ohne es gleich zu merken. Aber ich habe es sofort gesehen und konnte es wieder einfangen.
Der Kürbis an der Hauswand und die Kletterpflanzen an der Rampe zur Eingangstür wachsen vor sich hin!