236) Der Stall ist wieder bewohnt

Wieder ist eine längere Zeit vergangen seit dem letzten Update hier im Blog. Es ist viel passiert seit März! Hier also eine kleine Zusammenfassung der letzten Wochen.

Eine der ersten Sachen, die wir hier in Schweden angeschafft haben, war eine Angel-Ausrüstung. Jetzt war es soweit und ich habe sie ausprobiert – nicht „erfolgreich“ in Bezug auf Fischfang, aber ein toller Abend am See!

Mit Diego, von dem ich im letzten Beitrag geschrieben habe, mache ich bisher meistens Waldspaziergänge und Bodenarbeit über Stangen…

Eine größere Aktion betrifft unsere Terrasse. Diese hat Jost hochdruckgereinigt und neu gestrichen, zudem hat er Beete um sie herum angelegt. Ich habe Hochbeete gebaut, die er wiederum angepflanzt hat… Wir freuen uns auf schöne Sommerabende umgeben von Blumen und Gemüse.

Und auch die anderen Abschnitte des Grundstücks werden dieses Jahr wieder ausgiebig genutzt. Die Bodendielen des Gewächshauses haben wir herausgenommen, die Fläche mit Kies und Filz abgedeckt und dann das Holz wieder montiert, so dass es hoffentlich unkraut- und einigermaßen ameisensicher ist.

Das Kartoffelfeld wurde gepflügt und gefräst, fünf Kilo der Sorte Amandine sind darin angepflanzt und sprießen bereits ein bisschen.

Um das leidige Wühlmaus-Thema hoffentlich ein Stück weit in den Griff zu kriegen, haben wir dieses Jahr mit Unterstützung vieler hilfreicher Nachbarn auch andere Teile des Grundstücks großflächig pflügen lassen.

Auch auf den restlichen Flächen um das Haus herum versuchen wir die Pflanzen per Sense relativ niedrig zu halten, damit die Nager sich dort nicht allzu sehr wohlfühlen.

Nachdem wir es dieses Jahr leider nicht geschafft haben, unseren Folientunnel vom Einstürzen durch die Schneelast zu bewahren, haben wir ihn abgebaut. In dem gegen Rehe umzäunten Stück befinden sich aber weiterhin viele verschiedene Gemüsebeete.

Natürlich darf die übliche Kompostladung für die Beete nicht fehlen…

Zu guter Letzt noch die Neuigkeit, die in der Überschrift schon angekündigt ist: wir haben wieder Tiere! Drei Enten und sechs junge Hühner sind heute in den Stall eingezogen, bleiben dort erstmal eine Weile drin und dürfen dann das Außengehege erkunden – und die Enten planmäßig sogar das ganze Grundstück, um sich um die Schnecken zu kümmern… Ich hoffe, dass sie alle ein genau so gutes und sicheres, krankheits-, unfall- und raubtierfreies Leben haben, wie unsere ersten elf es hatten!

235) Ein paar Neuigkeiten zum Frühlingsanfang

Vorgestern war Vårdagsjämning, also der Tag, ab dem die Tage wieder länger sind als die Nächte. Das Wetter hält sich an den Frühlingsanfang, es ist wärmer und sonniger als noch vor ein paar Tagen… In meiner selbständigen Tätigkeit ist diese Phase natürlich gleichzeitig auch der Endspurt der Abiturvorbereitungen und daher geprägt von spannenden Korrekturen, Nachhilfestunden und Lernworkshops:

Unter dem schmelzenden Schnee kam dann, wie ja leider zu erwarten war, unser Schrott-Berg auf dem Grundstück wieder zum Vorschein, den man im Winter recht gut ignorieren konnte. Ein Vorbesitzer des Hauses hatte in einem Eck des Gartens ein zerkleinertes Wohnmobil abgelegt, dessen Einzelteile wir bisher jedes Jahr stückchenweise zum Sperrmüll transportiert haben. Jetzt war es soweit, dass wir mit einer Fahrt per geliehenem Anhänger die letzten Reste wegschaffen konnten und unser Grundstück ein kleines Stück aufgeräumter ist:

An einem der ersten Frühlingstage führte eine Kombination aus Sturm und starkem Regen dazu, dass plötzlich Wasser in unser Obergeschoss tropfte. Glücklicherweise konnte ein Nachbar uns relativ schnell bestätigen, dass es sich nicht um ein an sich kaputtes Dach, sondern nur um eine kleine undichte Stelle handelt, die schnell behoben werden kann und die bei normalen Wetterverhältnissen auch nicht zu Wasser im Haus führt. Es war eine Ausnahmesituation, aber zunächst waren wir natürlich besorgt, ob es ein größerer Schaden ist. Neben unserem Kamin, der erst vor kurzem kontrolliert wurde, befinden sich zwei für die schwedische Bauweise normale Rohre, deren Abdichtungen erneuert werden müssen:

Eine sehr schöne Neuigkeit betrifft die Pferde, von denen ich bereits 2023 in diesem Beitrag (Nr. 158) geschrieben habe. Damals durfte ich den Sommer über auf sechs Pferde aufpassen, zwei davon waren junge Fohlen mit sehr guter Dressur-Abstammung. Beide wurden verkauft und wurden zu ihren jeweiligen Trainern gebracht, ich habe beim Verladen in den Transporter geholfen:

Bei einem von ihnen, dem isabellfarbenen, wurde allerdings ein Gelenkfehler diagnostiziert, wodurch er für den Turniersport ungeeignet ist und nun zu meiner Nachbarin und Freundin zurückgekehrt ist. „Hagens Diego“ ist inzwischen ein zweieinhalbjähriger Wallach, ein schwedisches Warmblut, und darf mit mir jetzt Bodenarbeit, Waldspaziergänge und weitere Abenteuer erleben, die seine Muskulatur gezielt aufbauen und ihm dadurch hoffentlich trotz seiner Diagnose ein langes und beschwerdefreies Leben ermöglichen:

234) Viele verschiedene Aktivitäten zum Jahresbeginn

Mitte Februar… und plötzlich ist es nicht mehr ganz so stockfinster, wenn man morgens in die Arbeit losfährt. Ein riesiger Unterschied noch zu vorletzter Woche, und alle atmen erleichtert auf und stellen fest, dass man die dunkelsten Monate offensichtlich ein weiteres Mal überstanden hat.

Gleichzeitig wird hier natürlich momentan auch sehr viel bewusst und aktiv dafür getan, um den Winter schön zu machen. Beispielsweise hat Ende Januar wieder der Freilufttag mit der Schule stattgefunden, an dem wir wie auch letztes Jahr beim Langlaufen waren:

Das Melodie-Festival ist eine weitere Möglichkeit, etwas Lustiges am dunklen Jahresanfang zu unternehmen: der schwedische Vorentscheid zum ESC dauert hier sechs Wochen lang, in denen jeden Samstag Abend eine Show mit je sechs Kandidaten in einer anderen Stadt stattfindet, um dann am Ende das große Finale unter den Gewinnern auszutragen. Man trifft sich also an den Mello-Abenden zu Snacks, tauscht sich über die Songs aus und stimmt auch unter der Woche in den Schulklassen über die Favoriten ab…

Dieses Jahr kommt natürlich noch ein weiteres Event gleichzeitig dazu, das den Schulalltag absolut positiv beeinflusst: ganze Stundenpläne werden umgestellt, so dass die wichtigen Entscheidungen der Olympischen Spiele groß auf den Bildschirmen in den Klassenzimmern miterlebt werden können. Woher man weiß, wann genau man einschalten muss? Dafür sorgen die Kopfhörer in den Ohren der Lehrkräfte, die plötzlich mitten in der Lektion ausrufen „Jeeeetzt!“ und den Fernsehsender anschalten…

Und weil es gar nicht genug Anlässe zu dieser Jahreszeit geben kann, wird auch der 100. Schultag des Schuljahres zelebriert: eine Kollegin kam als Lehrerin von vor hundert Jahren verkleidet ins Klassenzimmer und hat unseren Zweitklässlern eindrucksvoll darüber berichtet, dass damals der Rohrsrock zum Einsatz kam… Man konnte sich auch als Hundertjähriger verkleiden, was per Filzstift und Trockenshampoo in die Tat umgesetzt wurde:

Unser Sportverein hat heute als tolles Event einen Ausflug zum Skigebiet organisiert, das etwa 30 Minuten entfernt ist. Das Ausleihen der Ausrüstung war vergünstigt, mittags wurden gemeinsam Hamburger gegrillt – und ich stand seit vielen Jahren das erste Mal wieder auf dem Snowboard und hatte sehr, sehr viel Spaß daran:

Die Temperaturen in den letzten Wochen liegen etwa zwischen minus 5 und minus 20 Grad, was uns durchaus kälter erscheint als letztes Jahr. Das merken wir auch an den Tieren auf unserem Grundstück: die Vögel vernichten den Speck und die Sonnenblumenkerne in Rekordtempo und fast jeden Abend haben wir Besuch von mehreren Rehen, die sich über Äpfel und Karotten freuen:

So, Zeit zu meinem heutigen Mello-Abend zu fahren! 🥳🎉

Edit: anschließend gab es dann noch Polarlichter…

233) Der Start ins neue Jahr

Zu Beginn des neuen Jahres fand in unserer Nachbarschaft ein gemeinsamer Abend im Café statt, welches es hier seit letztem Sommer gibt. Es war ein sehr schönes Treffen mit tollem Essen (unter anderem ein typisch holländisches Wintergericht), netten Gesprächen und sogar Karaoke. Für die guten Kontakte zu den Nachbarn und ihre große Hilfsbereitschaft können wir hier wirklich sehr dankbar sein, das weiß man ja vorher nicht, wenn man auswandert… Zu Silvester haben es alle hier ruhig angehen lassen: ein, zwei Raketen haben wir um Mitternacht im Umkreis gesehen und nur ein paar mehr noch gehört.

Die Schule hat wieder gut begonnen, wir hatten zunächst einen Vorbereitungstag alleine im Kollegium und einen Tag später waren dann auch für die Kinder die Ferien zu Ende. Dabei finde ich es wichtig im Hinterkopf zu haben, dass Schüler, die daheim eine andere Sprache sprechen, teilweise eventuell drei Wochen lang kaum schwedisch geredet haben. Ich merke bei mir selbst, dass mein Sprechen dann etwas rostig und insbesondere das lange Zuhören wirklich anstrengend ist. Das kann sich dann als Müdigkeit zeigen, aber natürlich auch in Gereiztheit und andere Verhaltensweisen umschlagen. Viele Kinder, mit denen ich mich am ersten Schultag darüber ausgetauscht habe, haben sich jedenfalls verstanden gefühlt.

Wir werden mit der Schule auch wieder einen Freiluft-Tag wie letztes Jahr planen. Wintersport habe ich seit vielen Jahren nicht wirklich gemacht, aber in den letzten Tagen hat eine liebe Freundin mich mit eingepackt: zunächst ein bisschen Eislaufen auf dem See mit anschließendem Lagerfeuer…

…und gestern ein richtiges Training, nämlich Langlauf. Die Ausrüstung stellt der Sportverein zu Verfügung, die Spuren gehen direkt von der Turnhalle aus los. Und so haben wir einige Runden mit Stirnlampe gedreht und die frische Luft in der Natur trotz Kälte und Dunkelheit genossen:

Heute hatte es minus 17 Grad, klarer Himmel, Sonnenschein… da bestand abends die Chance auf Polarlichter, und tatsächlich habe ich sie gerade draußen entdeckt:

Heute früh
Nordlicht vor einer Stunde vom Fenster aus

232) Mitten in der dunklen Jahreszeit

Es ist Mitte Dezember und damit die dunkelste Phase des Jahres. Das Wetter ist extrem mild, bis auf ein paar Tage im November war es bisher kaum unter Null. Die Kälte spielt also diesen Winter bisher keine große Rolle, die Dunkelheit aber umso deutlicher. Es regnet dauerhaft, alles ist konstant grau und matschig, den Anblick der Sonne vermisse ich gefühlt seit Wochen. Frische Luft bei Tageslicht, Bewegung draußen nach der Arbeit – all das fällt gerade fast gänzlich weg oder wird zumindest deutlich düsterer und umständlicher. Die Folgen sind insgesamt mehr Müdigkeit, weniger Aktivität, schlechtere Laune. Natürlich gibt es Vitamin D Supplements, Stirnlampen und andere Hilfsmittel, aber es wirkt sich trotzdem definitiv auf die Stimmung aus.

In der Schule läuft es dennoch gut. Insbesondere das Fach Kunst macht mir Spaß, den Kindern auch. Zumindest aus Papier kann man Schneemänner bauen.

Eine richtig coole Aktion war Anfang Dezember unser Tag der offenen Tür. Für die landesweite Spendenaktion „Musikhjälpen“ hat die ganze Schule Geld gesammelt, wir haben unter anderem Weihnachtsbaum-Anhänger aus Ton gebastelt und verkauft. Sollte ein Spendenziel von 30.000 Kronen erreicht werden, hat unser Rektor öffentlich versprochen, sich unser Schulmotto tätowieren zu lassen (eine andere Rektorin im Värmland hatte mit der Idee als Ansporn für Firmen und Privatpersonen begonnen) – wir waren am Ende bei über 80.000 Kronen und das Versprechen wurde bereits eingelöst. „Wir sehen dich so, wie du bist, treffen dich wo du stehst und heben dich so hoch es geht“ ziert nun den Schulleitungs-Oberarm.

An zwei Abenden durfte ich das traditionelle Julbord genießen, einmal mit dem Kollegium und einmal mit allen Lehrkräften der Gemeinde im Lehrerverbund. Beide Feiern waren sehr schön, nur beim Musik-Quiz war ich keine große Hilfe, denn schwedische Weihnachtsklassiker sind noch nicht mein Spezialgebiet. Am leichtesten zu erklären, was im Julbord-Buffet immer enthalten ist, geht mit dem Weihnachts-Mittagessen in der Schule gestern:

Julbord: Köttbullar, Prinskorv, Kartoffelgratin, halbierte Eier mit Krabben, Julschinken, Rote-Bete-Salat…

Das Lucia-Fest war auch dieses Schuljahr wieder sehr schön. Es gab im Klassenzimmer Fika mit den typischen Lussekatter und Pepparkakor, dazu natürlich Julmust. Der Umzug und das Konzert der Mittelstufe waren natürlich das Highlight:

Auf das Lucia-Fest fällt gleichzeitig der Tag des frühesten Sonnenuntergangs. Obwohl sie noch zwei weitere Wochen lang jeden Tag erst ein paar Minuten später aufgehen wird, wodurch der insgesamt kürzeste Tag dann die Wintersonnenwende ist, kann man sich also zumindest abends ab jetzt schon auf etwas mehr Licht freuen. Ich schreibe das mit dem größten Optimismus, denn gerade ist es 14 Uhr und von „Licht“ oder gar „Sonne“ kann beim Blick aus dem Fenster wirklich kaum eine Rede sein…