238) Wenn Bildung plötzlich eine Altersgrenze bekommt

Ein offener Brief an das Kultusministerium zur neuen Regelung für externe Abiturientinnen und Abiturienten in Bayern

Ich unterrichte seit 2018 Jugendliche, die sich auf das externe Abitur vorbereiten. Seit acht Jahren also, sowohl angestellt als auch selbständig an diversen Einrichtungen.

Wer das Abitur als externe Bewerberin oder externer Bewerber ablegt, muss sich eigenständig (ggf. mit Hilfe eines privaten Lerninstituts) auf die anspruchsvolle staatliche Prüfung vorbereiten. Es entfallen die über zwei Jahre gesammelten Noten einer regulären gymnasialen Oberstufe; am Ende zählt nur die Prüfungsleistung. Diese wird ausschließlich von regulären Prüfschulen bewertet, also von Lehrkräften an „normalen“, öffentlichen Gymnasien. Zudem besteht das externe Abitur aus 8 Prüfungen (je 4 schriftlich und mündlich), während das reguläre Abitur „nur“ 5 Prüfungsfächer beinhaltet. Die Externen sind also keine Jugendlichen, die „den einfachen Weg“ suchen. Im Gegenteil. Ich erlebe dabei junge Menschen, die diesen Weg aus sehr unterschiedlichen Gründen gewählt haben.

Eine Schülerin oder ein Schüler verbringt beispielsweise einen längeren Zeitraum im Ausland und verbindet die Vorbereitung auf das Abitur mit Freiwilligenarbeit. Ein anderer junger Mensch ist auf dem autistischen Spektrum und kann fachlich hervorragende Leistungen erbringen, erlebt aber den täglichen sozialen und sensorischen Schulalltag als erhebliche Belastung. Andere sind schlicht introvertiert. Sie lernen konzentriert, selbstständig und gern – nur eben nicht unbedingt in einem System, das täglich viele Stunden Anwesenheit in großen Gruppen, permanente soziale Interaktion und eine bestimmte Form der Leistungspräsentation voraussetzt. Auch bei Prüfungsangst kann es ein unschätzbarer Vorteil sein, das Ablegen von Leistungsnachweisen vor der endgültigen Abschlussprüfung zunächst üben zu können, ohne dass sie die Abiturnote bereits beeinflussen.

Bislang bot das externe Abitur für solche Jugendlichen eine echte Alternative. Seit dem 1. August 2026, also etwas über einer Woche, ist dieser Weg in Bayern für viele von ihnen versperrt.

Nach der unangekündigten Änderung der gymnasialen Schulordnung, die mit sofortiger Wirkung ohne Übergangsfrist in Kraft getreten ist, müssen externe Bewerberinnen und Bewerber am 30. September des Schuljahres, in dem sie ihr Abitur ablegen möchten, 20 Jahre alt sein. Schülerinnen und Schüler, die Regel- oder Ersatzschulen besuchen, können dagegen weiterhin in dem Alter Abitur machen, in dem dies üblicherweise geschieht. (Gesetz Bayern)

Die Frage ist: Warum?

Auf welcher pädagogischen oder empirischen Grundlage hat Bayern diese Grenze gewählt? Welche Problemlage soll damit behoben werden? Wurden betroffene Jugendliche, Eltern, Lehrkräfte oder Einrichtungen angehört? Und welche Folgen für junge Menschen mit ungewöhnlichen Bildungsbiografien wurden vor der Änderung untersucht?

Nicht jeder junge Mensch passt in dieselbe Schule

Hinter der neuen Regelung liegt eine bestimmte Vorstellung davon, wie ein „normaler“ Weg zum Abitur aussehen sollte: Gymnasium, Oberstufe, Abitur. Für viele Jugendliche funktioniert dieser Weg und das ist gut so. Aber Bildungspolitik sollte nicht davon ausgehen, dass ein Bildungsweg deshalb für alle jungen Menschen der richtige sein muss.

Gerade die Diskussion über Inklusion, Individualisierung und unterschiedliche Lernvoraussetzungen müsste eigentlich längst gelehrt haben, dass Menschen nicht alle unter denselben Bedingungen ihre besten Leistungen erbringen.

Unsere Gesellschaft bevorzugt häufig extrovertierte Eigenschaften: schnelles Sprechen, permanentes Vernetzen, Gruppenarbeit, sichtbare Präsenz. Introvertierte Menschen verfügen dagegen oft über andere Stärken – tiefe Konzentration, sorgfältige Reflexion, Ausdauer, selbstständiges Arbeiten und intensives Nachdenken. Beide Charakterzüge sind gleichermaßen wertvoll. Ein junger Mensch kann intelligent, sozial kompetent und hoch leistungsfähig sein und trotzdem feststellen: Der tägliche Schulbetrieb, der an Regel- und auch Ersatzschulen herrscht, ist nicht die Umgebung, in der ich am besten lernen kann.

Warum sollte dieser Mensch deshalb zwei bis drei, eventuell sogar vier Jahre länger auf das Abitur warten müssen?

Noch deutlicher wird das Problem bei anderen Fällen. Ein autistischer Jugendlicher kann in einem ruhigen, individuell strukturierten Lernumfeld komplexeste Inhalte bewältigen und gleichzeitig durch Lärm, ständige Raumwechsel, soziale Unvorhersehbarkeit und einen langen Schultag/-weg massiv belastet sein.

Andere Jugendliche haben Erfahrungen mit Mobbing gemacht. Manche leben zeitweise im Ausland. Andere verbinden Lernen mit Freiwilligenarbeit, Leistungssport, künstlerischen Projekten oder familiären Lebensmodellen, die nicht in einen klassischen Stundenplan passen. Wieder andere haben psychische oder körperliche Belastungen, durch die regelmäßiger Präsenzunterricht schwer möglich ist.

Das bedeutet nicht, dass für all diese Jugendlichen das externe Abitur automatisch der richtige Weg wäre. Aber es bedeutet, dass es diesen Weg geben sollte. Bildungsgerechtigkeit besteht nicht darin, allen Menschen denselben Bildungsweg vorzuschreiben. Sie besteht darin, unterschiedliche Wege zu ermöglichen, solange am Ende dieselben Anforderungen erfüllt werden.

Ich weiß, dass alternative Vorbereitung hervorragend funktionieren kann

Ich kenne aus meiner beruflichen Tätigkeit teilweise unglaublich tolle Einrichtungen mit großer Reichweite, die junge Menschen seit vielen Jahren erfolgreich auf externe Abiturprüfungen vorbereiten. Dort wird nicht einfach ein reguläres Gymnasium ins Internet verlegt. Es entsteht eine andere Form des Lernens. Kleine Lerngruppen und bei Bedarf auch Einzelunterricht ermöglichen intensive fachliche Arbeit. Jugendliche erhalten persönliche Begleitung, feste Ansprechpartner und Unterstützung bei der Organisation ihres Lernens. Gleichzeitig können sie ihren Tagesablauf stärker an ihre individuellen Bedürfnisse anpassen.

Sie können von zu Hause lernen, können zeitweise im Ausland leben, können Pausen einlegen, wenn sie sie brauchen – nicht nur dann, wenn die Pausenglocke klingelt. Und sie können insbesondere dann konzentriert arbeiten, wenn sie am leistungsfähigsten sind – vielleicht nicht ausgerechnet jeden Montag bis Freitag zwischen 8 und 15 Uhr in einem überfüllten Klassenzimmer (erst recht bei wochenlangen 30 Grad ohne Klimaanlage).

Solche Einrichtungen verfügen teilweise über jahrelange Erfahrung. Sie haben zahlreiche Jugendliche durch anspruchsvolle externe Abiturprüfungen begleitet und können auf viele bestandene Abschlüsse zurückblicken. Ich durfte ein Teil davon sein. Das ist keine Bildungswelt außerhalb staatlicher Standards. Im Gegenteil: Am Ende steht eine staatliche Prüfung, die, wie gesagt, von regulären Lehrkräften absolut unabhängig bewertet wird (im Zweifelsfall manchmal sogar eher strenger). Weder mit der Korrektur der schriftlichen Prüfungen noch mit der Erstellung oder Durchführung der mündlichen Prüfungen habe ich als vorbereitende Tutorin irgendetwas zu tun. Ich könnte keinerlei Vorteile oder gute Noten verschenken, selbst wenn ich es wollte. Wer die Anforderungen der Allgemeinen Hochschulreife nicht erfüllt, erhält sie nicht.

Die vielleicht problematischste Frage ist aber eine andere: Was ist mit denen, die längst begonnen haben?

Über die Altersgrenze kann man politisch diskutieren. Was allerdings besonders schwer nachvollziehbar ist, ist die Art ihrer Einführung. Die Änderung greift mit sofortiger Wirkung ab dem 1. August 2026 und wurde erst zwei Tage davor überhaupt veröffentlicht. Für Jugendliche, die sich bereits seit Monaten oder sogar Jahren auf eine externe Abiturprüfung vorbereiten, ist das keine abstrakte Gesetzesänderung. Es betrifft einen bereits begonnenen Lebensweg. Ein Jugendlicher kann Unterricht besucht, Prüfungsfächer gewählt, Lernpläne erstellt und sich über einen langen Zeitraum auf ein bestimmtes Abiturjahr vorbereitet haben, und nun wird ihm der Boden unter den Füßen weggerissen. Ich habe diesen Unterricht in Deutsch und Ethik geleitet, ich habe mit ihnen zusammen in meinen Workshops ihre individuellen Lernpläne erstellt.

Was sollen diese jungen Menschen nun machen? Sollen sie ein oder zwei Jahre lang Stoff „warmhalten“? Noch einmal dieselben Inhalte lernen? Einen anderen Bildungsweg beginnen, den sie gar nicht möchten? Was passiert mit Jugendlichen, die gezielt auf einen Studienbeginn hingearbeitet haben?

Und nicht nur die Jugendlichen sind betroffen. Eltern können bereits erhebliche Summen in Unterricht investiert haben. Private Bildungseinrichtungen haben Lehrkräfte eingeplant, Kurse organisiert und Verträge abgeschlossen. Und dann verändern sich die Zulassungsvoraussetzungen während dieses Weges – nicht für die nächste Generation von Schülerinnen und Schülern, nicht nach einer mehrjährigen Übergangsfrist, sondern unmittelbar.

Genau für solche Situationen gibt es den Vertrauensschutz

Im Prüfungsrecht bewahrt der Vertrauensschutz davor, dass wesentliche und überraschende Änderungen bereits getroffene Prüfungsdispositionen entwerten, wenn den Betroffenen eine kurzfristige Umstellung nicht zugemutet werden kann.

Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg stand im November 2025 vor einer ähnlichen Situation. Dort ging es ebenfalls um eine Änderung der Bedingungen für das sogenannte Nichtschülerabitur. Das Gericht sah erhebliche rechtliche Probleme darin, neue Bedingungen ohne angemessene Übergangsregelung auf Personen anzuwenden, die ihre Vorbereitung bereits weitgehend abgeschlossen hatten und bezog sich ausdrücklich auch auf Teilnehmende, die bereits seit längerer Zeit kostenpflichtige Vorbereitungskurse besucht hatten (Link).

Die bayerische Situation ist rechtlich nicht eins zu eins identisch. Ob die neue Regelung einer Überprüfung standhält, können nur Gerichte beurteilen. Die betroffenen Familien haben die Möglichkeit, auf Grundlage des Vertrauensschutzes zu klagen, und ich werde die weitere Entwicklung natürlich verfolgen.

Ich weiß, was gute Schulen leisten können – fachlich, sozial und menschlich. Aber ich denke absolut nicht, dass wir gute Bildung daran erkennen können, ob sie immer im selben Gebäude, im selben Stundenrhythmus und im selben Alter stattfindet. Die Änderung der GSO führt zu massiver Ungleichbehandlung: Zwei gleichaltrige Jugendliche können fachlich dieselben Voraussetzungen erfüllen. Der eine darf die Allgemeine Hochschulreife erwerben, der andere nicht – nicht aufgrund seiner Leistung, sondern aufgrund der Form, in der er sich auf die Prüfung vorbereitet hat.

Manche Jugendliche blühen in einer großen Oberstufe auf, andere in kleinen Lerngruppen. Manche brauchen den täglichen Austausch, andere brauchen mehr Ruhe. Manche brauchen klare äußere Strukturen, andere entwickeln erstaunliche Selbstständigkeit, sobald wir ihnen mehr Verantwortung für das eigene Lernen geben.

Keiner dieser Menschen ist deshalb mehr oder weniger für ein Studium geeignet – theoretisch die Eigenständigeren sogar eher mehr! Entscheidend sollte sein, was ein junger Mensch gelernt hat und was er leisten kann. Nicht, ob seine Persönlichkeit und sein Bildungsweg einer überholten Vorstellung von Normalität entspricht.

Deshalb sollte das Bayerische Kultusministerium unbedingt ERSTENS mindestens eine Übergangsregelung ermöglichen für alle Jugendlichen, die ihre Vorbereitung auf das externe Abitur bereits vor Inkrafttreten der Neuregelung begonnen haben. Darüber hinaus sollte ZWEITENS die Altersgrenze selbst noch einmal überprüft und öffentlich begründet werden (in anderen Bundesländern liegt sie z.B. bei 19, damit man das öffentliche System nicht extern überholen kann). Wenn junge Menschen dieselben staatlichen Prüfungen unter denselben fachlichen Anforderungen bestehen müssen, sollte sehr gut begründet werden können, warum ihr Geburtsdatum darüber entscheidet, ob sie überhaupt antreten dürfen.

237) Heute vor fünf Jahren ging es…

…los, wir haben am 8.8.2021 in München unser gerade noch rechtzeitig gekauftes Auto vollgepackt und sind nach Schweden ausgewandert.

Über alle größeren und kleineren Ereignisse in diesen fünf Jahren kann man hier im Blog lesen. Seien es die Elchjagden im Herbst, die Kälterekorde im Winter, den Gemüseanbau im Frühling und die Reflektionen zu den jeweiligen Jahrestagen (siehe eins, zwei, drei und vier)…

Nun sind seit dem letzten Blogartikel zwei Sommermonate vergangen, die ich kurz zusammenfassen möchte.

Um vielleicht da anzufangen, wo der letzte Beitrag aufgehört hat: unser Stall ist nach wie vor bewohnt. Von der ursprünglichen Gang (drei sehr junge Hühner, drei etwas ältere und drei Enten) sind noch einige übrig, zwei sind weg, drei sind dazugekommen. Wir haben inzwischen einen Haupt-Hahn, der zwei andere ab einem gewissen Alter gejagt hat, daher sind die zwei rangniedrigeren Hähne zu unseren Nachbarn zurückgezogen, von denen wir sie bekommen hatten. Drei etwas ältere Hennen haben wir von anderer Stelle noch dazugeholt, die nun auch bereits letztens begonnen haben kleine Eier zu legen. Für ein paar zusätzliche Hennen hätten wir noch Platz und den drei Enten geht es ebenfalls wunderbar…

So klein waren sie… Das ist der gleiche braune Hahn in der Mitte!

Um noch kurz bei den Tieren zu bleiben, nun von den gefiederten Zwei- zu den haarigen Vierbeinern, die ich regelmäßig besuche…

Sommertage mit Diego

Dann gab es natürlich auch dieses Jahr im Juni wieder ein wunderschönes Highlight: Midsommar. Der Fuchs ist wieder über das Eis gerannt und es war ein tolles Fest zur Einstimmung in die Sommerferien mit abschließender Abkühlung im See.

Die Blumenpracht im Garten ist dieses Jahr noch schöner als zuvor
Rinnen
Järnsjön
Borgåsgubben
Amerikabrevet

Eine sehr schöne Woche mit vielen Ausflügen haben meine Eltern hier verbracht, unter anderem haben wir den berühmten Borgåsgubben (die Steinfigur zur Abschreckung von Feinden) und anschließend das jährliche Theaterstück „Amerikabrevet“ angeschaut, das auch ich vorher noch nie gesehen hatte. Die Geschichte der Auswanderung in ein anderes Land mit allen dazugehörigen Gefühlen und Gedanken, die anhand der wahren Begebenheit einer in die USA ziehenden Familie dargestellt werden, konnte ich gut nachvollziehen…

Diese Blumenmischung um unsere Terrasse herum und auch auf weiteren Teilen des Grundstücks explodiert regelrecht…

Gurken
Kartoffelfeld
Tomaten
Blumen
Salat
Zuckerschoten
Kürbis

Nun beginnt das Schuljahr hier nächsten Dienstag, wodurch ich mehr als eine Woche komplett frei hatte, in der sich die schwedischen und die bayerischen Sommerferien überschnitten haben. Ich freue mich auf die neue Herausforderung!

236) Der Stall ist wieder bewohnt

Wieder ist eine längere Zeit vergangen seit dem letzten Update hier im Blog. Es ist viel passiert seit März! Hier also eine kleine Zusammenfassung der letzten Wochen.

Eine der ersten Sachen, die wir hier in Schweden angeschafft haben, war eine Angel-Ausrüstung. Jetzt war es soweit und ich habe sie ausprobiert – nicht „erfolgreich“ in Bezug auf Fischfang, aber ein toller Abend am See!

Mit Diego, von dem ich im letzten Beitrag geschrieben habe, mache ich bisher meistens Waldspaziergänge und Bodenarbeit über Stangen…

Eine größere Aktion betrifft unsere Terrasse. Diese hat Jost hochdruckgereinigt und neu gestrichen, zudem hat er Beete um sie herum angelegt. Ich habe Hochbeete gebaut, die er wiederum angepflanzt hat… Wir freuen uns auf schöne Sommerabende umgeben von Blumen und Gemüse.

Und auch die anderen Abschnitte des Grundstücks werden dieses Jahr wieder ausgiebig genutzt. Die Bodendielen des Gewächshauses haben wir herausgenommen, die Fläche mit Kies und Filz abgedeckt und dann das Holz wieder montiert, so dass es hoffentlich unkraut- und einigermaßen ameisensicher ist.

Das Kartoffelfeld wurde gepflügt und gefräst, fünf Kilo der Sorte Amandine sind darin angepflanzt und sprießen bereits ein bisschen.

Um das leidige Wühlmaus-Thema hoffentlich ein Stück weit in den Griff zu kriegen, haben wir dieses Jahr mit Unterstützung vieler hilfreicher Nachbarn auch andere Teile des Grundstücks großflächig pflügen lassen.

Auch auf den restlichen Flächen um das Haus herum versuchen wir die Pflanzen per Sense relativ niedrig zu halten, damit die Nager sich dort nicht allzu sehr wohlfühlen.

Nachdem wir es dieses Jahr leider nicht geschafft haben, unseren Folientunnel vom Einstürzen durch die Schneelast zu bewahren, haben wir ihn abgebaut. In dem gegen Rehe umzäunten Stück befinden sich aber weiterhin viele verschiedene Gemüsebeete.

Natürlich darf die übliche Kompostladung für die Beete nicht fehlen…

Zu guter Letzt noch die Neuigkeit, die in der Überschrift schon angekündigt ist: wir haben wieder Tiere! Drei Enten und sechs junge Hühner sind heute in den Stall eingezogen, bleiben dort erstmal eine Weile drin und dürfen dann das Außengehege erkunden – und die Enten planmäßig sogar das ganze Grundstück, um sich um die Schnecken zu kümmern… Ich hoffe, dass sie alle ein genau so gutes und sicheres, krankheits-, unfall- und raubtierfreies Leben haben, wie unsere ersten elf es hatten!

235) Ein paar Neuigkeiten zum Frühlingsanfang

Vorgestern war Vårdagsjämning, also der Tag, ab dem die Tage wieder länger sind als die Nächte. Das Wetter hält sich an den Frühlingsanfang, es ist wärmer und sonniger als noch vor ein paar Tagen… In meiner selbständigen Tätigkeit ist diese Phase natürlich gleichzeitig auch der Endspurt der Abiturvorbereitungen und daher geprägt von spannenden Korrekturen, Nachhilfestunden und Lernworkshops:

Unter dem schmelzenden Schnee kam dann, wie ja leider zu erwarten war, unser Schrott-Berg auf dem Grundstück wieder zum Vorschein, den man im Winter recht gut ignorieren konnte. Ein Vorbesitzer des Hauses hatte in einem Eck des Gartens ein zerkleinertes Wohnmobil abgelegt, dessen Einzelteile wir bisher jedes Jahr stückchenweise zum Sperrmüll transportiert haben. Jetzt war es soweit, dass wir mit einer Fahrt per geliehenem Anhänger die letzten Reste wegschaffen konnten und unser Grundstück ein kleines Stück aufgeräumter ist:

An einem der ersten Frühlingstage führte eine Kombination aus Sturm und starkem Regen dazu, dass plötzlich Wasser in unser Obergeschoss tropfte. Glücklicherweise konnte ein Nachbar uns relativ schnell bestätigen, dass es sich nicht um ein an sich kaputtes Dach, sondern nur um eine kleine undichte Stelle handelt, die schnell behoben werden kann und die bei normalen Wetterverhältnissen auch nicht zu Wasser im Haus führt. Es war eine Ausnahmesituation, aber zunächst waren wir natürlich besorgt, ob es ein größerer Schaden ist. Neben unserem Kamin, der erst vor kurzem kontrolliert wurde, befinden sich zwei für die schwedische Bauweise normale Rohre, deren Abdichtungen erneuert werden müssen:

Eine sehr schöne Neuigkeit betrifft die Pferde, von denen ich bereits 2023 in diesem Beitrag (Nr. 158) geschrieben habe. Damals durfte ich den Sommer über auf sechs Pferde aufpassen, zwei davon waren junge Fohlen mit sehr guter Dressur-Abstammung. Beide wurden verkauft und wurden zu ihren jeweiligen Trainern gebracht, ich habe beim Verladen in den Transporter geholfen:

Bei einem von ihnen, dem isabellfarbenen, wurde allerdings ein Gelenkfehler diagnostiziert, wodurch er für den Turniersport ungeeignet ist und nun zu meiner Nachbarin und Freundin zurückgekehrt ist. „Hagens Diego“ ist inzwischen ein zweieinhalbjähriger Wallach, ein schwedisches Warmblut, und darf mit mir jetzt Bodenarbeit, Waldspaziergänge und weitere Abenteuer erleben, die seine Muskulatur gezielt aufbauen und ihm dadurch hoffentlich trotz seiner Diagnose ein langes und beschwerdefreies Leben ermöglichen:

234) Viele verschiedene Aktivitäten zum Jahresbeginn

Mitte Februar… und plötzlich ist es nicht mehr ganz so stockfinster, wenn man morgens in die Arbeit losfährt. Ein riesiger Unterschied noch zu vorletzter Woche, und alle atmen erleichtert auf und stellen fest, dass man die dunkelsten Monate offensichtlich ein weiteres Mal überstanden hat.

Gleichzeitig wird hier natürlich momentan auch sehr viel bewusst und aktiv dafür getan, um den Winter schön zu machen. Beispielsweise hat Ende Januar wieder der Freilufttag mit der Schule stattgefunden, an dem wir wie auch letztes Jahr beim Langlaufen waren:

Das Melodie-Festival ist eine weitere Möglichkeit, etwas Lustiges am dunklen Jahresanfang zu unternehmen: der schwedische Vorentscheid zum ESC dauert hier sechs Wochen lang, in denen jeden Samstag Abend eine Show mit je sechs Kandidaten in einer anderen Stadt stattfindet, um dann am Ende das große Finale unter den Gewinnern auszutragen. Man trifft sich also an den Mello-Abenden zu Snacks, tauscht sich über die Songs aus und stimmt auch unter der Woche in den Schulklassen über die Favoriten ab…

Dieses Jahr kommt natürlich noch ein weiteres Event gleichzeitig dazu, das den Schulalltag absolut positiv beeinflusst: ganze Stundenpläne werden umgestellt, so dass die wichtigen Entscheidungen der Olympischen Spiele groß auf den Bildschirmen in den Klassenzimmern miterlebt werden können. Woher man weiß, wann genau man einschalten muss? Dafür sorgen die Kopfhörer in den Ohren der Lehrkräfte, die plötzlich mitten in der Lektion ausrufen „Jeeeetzt!“ und den Fernsehsender anschalten…

Und weil es gar nicht genug Anlässe zu dieser Jahreszeit geben kann, wird auch der 100. Schultag des Schuljahres zelebriert: eine Kollegin kam als Lehrerin von vor hundert Jahren verkleidet ins Klassenzimmer und hat unseren Zweitklässlern eindrucksvoll darüber berichtet, dass damals der Rohrsrock zum Einsatz kam… Man konnte sich auch als Hundertjähriger verkleiden, was per Filzstift und Trockenshampoo in die Tat umgesetzt wurde:

Unser Sportverein hat heute als tolles Event einen Ausflug zum Skigebiet organisiert, das etwa 30 Minuten entfernt ist. Das Ausleihen der Ausrüstung war vergünstigt, mittags wurden gemeinsam Hamburger gegrillt – und ich stand seit vielen Jahren das erste Mal wieder auf dem Snowboard und hatte sehr, sehr viel Spaß daran:

Die Temperaturen in den letzten Wochen liegen etwa zwischen minus 5 und minus 20 Grad, was uns durchaus kälter erscheint als letztes Jahr. Das merken wir auch an den Tieren auf unserem Grundstück: die Vögel vernichten den Speck und die Sonnenblumenkerne in Rekordtempo und fast jeden Abend haben wir Besuch von mehreren Rehen, die sich über Äpfel und Karotten freuen:

So, Zeit zu meinem heutigen Mello-Abend zu fahren! 🥳🎉

Edit: anschließend gab es dann noch Polarlichter…