Zum fünften Mal habe ich nun an der Elchjagd teilgenommen und auch jedes Jahr darüber berichtet. Hier die bisherigen Artikel:
- Beitrag 13 über den Vorbereitungstag 2021
- Beitrag 20 über die Jagd 2021
- Beitrag 21 über die Fleischverteilung 2021
- Beitrag 59 zum Thema Eigenverantwortung
- Beitrag 109 über die gesamte Jagd 2022
- Beitrag 112 über die finanziellen Aspekte der Jagd
- Beitrag 153 über Leben und Tod bzw. das Töten
- Beitrag 163 über den Vorbereitungstag 2023
- Beitrag 165 über die Verwertung der Innereien
- Beitrag 168 über die Vorbereitung auf die Elchjagd 2023
- Beitrag 169 über die Elchjagd 2023
- Beitrag 207 über die Elchjagd 2024
Auch dieses Jahr hat die Jagdsaison mit dem Jahrestreffen des Vereins im August begonnen, bei dem immer alle wichtigen Informationen und Neuerungen besprochen und abgestimmt werden. Es war eine besondere Situation, da unser Jagdleiter, der diesen Posten viele Jahre lang innehatte, nach der letzten Jagd zurückgetreten ist und herzlich verabschiedet wurde. Daher wurde nun also ein neuer Jagdleiter gewählt. Auch die Quote für dieses Jahr wurde bekanntgegeben, unserem Verein wurde ein erwachsenes Tier und zwei Kälber zugeteilt.
Der nächste Termin war dann im September die Pass-Vorbereitung, bei der wir mit Bändern die Stellen im Wald markieren, an denen dann bei der Jagd die Schützen sitzen werden. Sie sind entlang einer Linie aufgereiht, auf die sich die Treiber dann ebenfalls als Linie aufgestellt rufend zubewegen und die sich dazwischen aufhaltenden Elche so in Richtung der Jäger treiben.
Dann war es diesen Freitag so weit: um 18 Uhr fand die Vorbereitung am Schlachthaus statt, bei der kontrolliert wird, dass Strom, Wasser, ausreichend Wannen und alle anderen wichtigen Gegenstände vorhanden sind. Am Samstag um 7 Uhr war dann Treffpunkt für alle und nach einem gemütlichen Ankommen eröffnete unser neuer Jagdleiter die Runde. Es wurde über die Regeln gesprochen, beispielsweise:
- Alle müssen ihre Jagdkarte, Jagdschein und Jagdversicherung haben (letzteres nur die Schützen, nicht die Treiber)
- Wiederholung der Regeln für Magazin und Patronen in den Gewehren
- Erinnerung daran, nie auf ein Tier im Gegenlicht zu schießen, wenn man nur die Silhouette sieht
- Hinweis auf den Einsatz der Jagdhunde, auf die man natürlich besonders achten muss, wenn sie sich in der Nähe des Elchs befinden
- Vorgehensweise beim Anschießen eines Tieres (die Jagd wird gestoppt und die höchste Priorität ist es, das Tier zu finden)
- Schießen eines Kalbs vor der Mutter, wenn beide zusammen unterwegs sind, da das Kalb ansonsten im Winter kaum Überlebenschancen hat
- und weitere Regeln und Absprachen innerhalb der Gruppe.
Ein kurzer Schreckmoment entstand, als einer der Jäger bei der Besprechung, als wir alle im Kreis standen, der Länge nach rückwärts auf den Boden fiel. Nach einer Sekunde, in der sich niemand rührte, haben sich einige sofort souverän um ihn gekümmert. Es wurde ein Krankenwagen gerufen, der ihn nach Arvika gebracht hat, und glücklicherweise kam im Lauf des Tages die Nachricht, dass er bereits wieder entlassen werden konnte und es sich wohl nur um einen plötzlichen Abfall des Blutdrucks gehandelt hat.

Dann wurde beschlossen, in welchem Bereich unseres Reviers begonnen wird und die Jäger haben die Nummern gezogen, an welchem der markierten Plätze sie sitzen werden. Sie haben sich auf den Weg gemacht, während wir Treiber noch gemütlich am Lagerfeuer sitzen und Josts Kekse essen konnten… Dann sind auch wir aufgebrochen, wie immer ausgerüstet mit Warnweste und Kompass, und sind an unsere Ausgangsplätze gefahren. Letztes Jahr wurde der Elch (es war nur einer in der Quote) erlegt, bevor wir überhaupt losgegangen waren – und auch diesmal kam in der Jagd-App bereits vor dem Startsignal die Benachrichtigung, dass der Hundeführer ein Kalb geschossen hat. Daraufhin sind wir losmarschiert. Das Gelände auf meiner Strecke war zunächst einfach, da es nur über ein Feld ging. Dann kam ein längeres Stück im Wald, das teilweise etwas unwegsam war, aber machbar. Man hält sich ja an die Himmelsrichtung des Kompasses, in diesem Fall 320 Grad, und darf grundsätzlich nicht wirklich davon abweichen, das heißt es geht über Stock und Stein und das finde ich richtig schön und besonders, wenn man sich nicht an vorgefertigte Wege hält, sondern sich seinen eigenen durch das Gestrüpp bahnt.
Schließlich kam ich an einen ca. 15 Meter hohen senkrechten Abhang, den ich weder links noch rechts von mir sicher herabklettern konnte. Ich habe also den Leiter unseres Treiber-Teams angerufen und gesagt, dass ich jetzt von meiner Richtung abweichen muss. Er hat gesagt, dass die Jagd ohnehin bereits beendet ist, und ich einfach in Ruhe zum Treffpunkt kommen soll – ich hatte das zunächst so verstanden, dass DIESE Runde des Treibens zu Ende war. Als ich aber nach einer recht abenteuerlichen Kletterpartie beim Rest der Gruppe ankam, habe ich erfahren, dass die gesamte Jagd bereits vorbei ist, weil alle drei Tiere getroffen wurden. Sie wurden daraufhin aus dem Wald geholt und zum Schlachthaus gebracht:

Sie wurden der Reihe nach an den Hinterbeinen aufgehängt, die Organe wurden ausgenommen (wir freuen uns wieder über zwei der Herzen), der Rest gehäutet und so vorbereitet, dass sie dann einige Tage im Schlachthaus abhängen konnten:

Noch am gleichen Abend fand das Jagdfest statt, diesmal nicht wie bisher im Versammlungsheim, sondern bei unserem neuen Jagdleiter daheim, der natürlich auch froh war, dass seine erste Jagd in dieser neuen Rolle so gut und erfolgreich verlaufen ist. Es gab Köttbullar aus dem Elchfleisch von letztem Jahr, dazu Kartoffeln, Gemüse, Sauce, Preiselbeeren und Knäckebrot sowie zwei hervorragende Kuchen als Nachtisch.

Ja, und dann ist nach dem Essen etwas passiert, was ich nie erwartet hätte und was mich wirklich riesig freut und auch nach wie vor überrascht. Jedes Jahr wird bei diesem Fest ein Wanderpokal vergeben bestehend aus einem Rucksack und einer Tafel, in deren Holz die Namen der bisherigen Gewinner eingebrannt sind. Es gibt ihn, der Liste entsprechend, seit dem Jahr 1977. Die Übergabe erfolgt durch den Vorsitzenden des Jagdvereins. Er sprach vor der Bekanntgabe darüber, dass in den Nachrichten momentan viel über die schwedische Kultur zu lesen ist und darüber, was das eigentlich ist – und er sagte, dass das hier für ihn ein Sinnbild schwedischer Kultur ist: gemeinsam in der Gruppe zu sitzen, zu essen, sich auszutauschen und zu feiern. Und dann sagte er meinen Namen bei der Verkündung des diesjährigen Wanderpreises. Ich war wirklich komplett überrascht, schon in meinem fünften Jahr an dieser Stelle genannt zu werden. Ich hatte spontan eine kleine Zusatzaufgabe übernommen (die Dokumentation aller gesichteten Elche, für die ich also herumgefragt und aufgeschrieben habe, ob jemand einen Elch gesehen hat), und bin auch jetzt noch wirklich gerührt über die Wertschätzung. Dieser Jagdverein war unser erster Kontakt mit der „schwedischen Kultur“, da 2021 das erste Treffen nur zwei Wochen nach unserem Umzug stattfand und wir sofort herzlich aufgenommen wurden zu einem Zeitpunkt, wo wir noch kein Wort schwedisch konnten und auch noch nicht wussten, an welchem Flecken Erde wir hier eigentlich gelandet sind. So herzlich und ehrlich willkommen geheißen zu werden und jetzt nach etwas über vier Jahren so „offiziell“ aufgenommen und anerkannt zu werden, bedeutet mir viel.

Jetzt war heute noch der letzte Arbeitsschritt fällig: Das Zerlegen und Zerstückeln des Fleisches. Um 8.30 war Treffpunkt, wer nicht arbeiten musste, kam und half. Ich hatte vormittags frei, daher konnte ich meine Metzgerkünste wieder ein kleines Stück verbessern…

Wir freuen uns über etwas mehr als 6 Kilogramm bestes Elchfleisch, teilweise in Bratenstücken und teils als Hack.
Und zu guter Letzt noch zwei kleine Updates zu Herbst und Winter: einerseits haben wir einen Zaun um unseren Baum gebaut, an dem sich in den letzten Wochen ein Hirsch regelmäßig nachts ausgetobt hat und ihn an einer Seite fast komplett zerstört hat:

…und andererseits haben wir uns zum Kauf eines „Dubbdäck“ entschieden, also den Winterreifen mit den kleinen Spikes. Die sind auf den mit Schnee und Eis bedeckten Straßen einfach nochmal eine Spur sicherer und werden uns hoffentlich gute Dienste leisten!
















