60) Frühling

Ich habe den zweiten Kapiteltest des SFI Kurs D gestern geschrieben und auch schon das Ergebnis bekommen, dass ich ihn bestanden habe. Dadurch bin ich jetzt für die Abschlussprüfung zugelassen, die Ende Mai stattfindet. Wenn ich die bestehe, habe ich in der internationalen Bezeichnung dann anscheinend das Niveau B1 in Schwedisch.

Mitte Mai ist hier eindeutig von Frühling zu sprechen. Diese Woche hat es seit langem das erste Mal geregnet, so dass hoffentlich alles draußen bald schön grün und bunt wird. In Årjäng blühen die Obstbäume schon, da scheint es etwas wärmer zu sein als hier. Es ist interessant zu sehen, was alles auf unseren Grundstücken wächst. Zum Beispiel kommen nach und nach Beeren, Zwiebeln, Rhabarber, Schlüsselblumen, Narzissen und andere Blüten heraus.

Innen in unserem Haus stehen viele Tomaten-, Zucchini-, Kürbis- und andere Pflanzen bereit, um demnächst ins Gewächshaus umzuziehen.

Ich genieße es inzwischen ab und zu, die Natur draußen in Ruhe zu beobachten. Am liebsten die Singvögel im Garten, davon haben wir auch sehr viele. Rehe und Füchse auf den Feldern kommen auch relativ häufig vor, zwei Elche waren jetzt schon ein paar Mal auf einem Hügel in der Nähe zu sehen. Auch Raubvögel entdecken wir regelmäßig, also Bussarde und Turmfalken. Bei den Blaumeisen im Vogelhaus bin ich mir unsicher, die habe ich eine Weile nicht mehr gesehen. Aber in einem der anderen Vogelhäuser brüten ziemlich sicher Kohlmeisen. Und besonders auffällig sind natürlich die großen Reiher und Gänse auf den umliegenden Wiesen ab und zu. Abends die Sterne anzuschauen fällt aktuell weg, weil es erst gegen Mitternacht dunkel ist.

Inzwischen sind insgesamt fünf Buchungen für unsere Ferienunterkunft eingegangen und die bisherigen Bewertungen sind sehr gut. Erst war es ein komisches Gefühl für mich, dass da fremde Leute drin sind und alles benutzen, aber es ist natürlich super, dass Gäste kommen und es ihnen bei uns gefällt!

59) Zwischen Amateuren, Experten und Eigenverantwortung

Ein Gastbeitrag von meinem Mann.

„Schweden ist das Land der Amateure“, sagte uns vor einiger Zeit ein Bekannter, der in Deutschland Revierleiter in einem Forst ist. Er bezog sich dabei auf das teilweise tatsächlich katastrophale Forstmanagement der Schweden. In einigen Regionen, insbesondere in Nordschweden, wird hemmungslos und ahnungslos Kahlschlag betrieben; Tier- und Ökosphärenschutz sind da Glückssache. Deutschland ist in einigen Bereichen, wie eben im Forstmanagement, sicher das Land der Experten.

Das großflächige Verzichten auf Reglementierungen und das Setzen auf Eigenverantwortung hat in der Tat gute und schlechte Seiten. Wir haben den Eindruck, dass die Schweden ziemlich gut mit dem Konzept der Eigenverantwortung fahren. Das ist aber natürlich zu einem gewissen Grad auch Erziehungssache.

Deutschland mag das Land der Experten sein, aber auch das des Kettensägenführerscheins, der Zertifikate und der Angelscheinprüfung (für die man in Bayern sogar die Schulbank drücken muss). Ab einem gewissen Grad der Reglementierung stehen der Eigenverantwortung einfach hohe Hürden im Weg.

Hier in Schweden geht man Angeln, man kauft sich eine günstige, regionale Lizenz, und los geht’s. Hier kann man, wie unsere Nachbarin, aus einem Hobby als Bäcker einen Beruf machen, ohne einen Meisterbrief vorweisen zu müssen. Kurz: hier „darf“ man alles Mögliche einfach machen, wofür man in Deutschland Schein, Lizenz, Zertifikat, behördliche Erlaubnis oder sonst etwas braucht.

Ob einen das mit Unbehagen füllt, ist wie gesagt zu einem gewissen Grad anerzogen. Wenn man im Alltag nur dem bescheinigten Experten Kompetenz zutraut, macht man sich selbst und andere Amateure schnell unmündig. Man kann für jede Kleinigkeit „jemanden holen, der sich damit auskennt“, oder man verwendet ein bisschen seiner Zeit und Energie darauf, sich selbst Kompetenzen anzueignen.

Die schwedische Mentalität, wie wir sie hier kennen lernen, ist eher eine Machermentalität und weniger eine Machenlassermentalität. Auch für uns ist das neu und ungewohnt, aber es bietet uns eine hervorragende Möglichkeit, in vielen Bereichen zu wachsen.

Die schwedische Mentalität, die wir hier kennen lernen, dramatisiert Fehler auch nicht übermäßig. Wir beobachten mehr Stoizismus in den Menschen und es wird fast nicht gejammert, egal worüber. Zum ersten Mal ist uns das so richtig bei der Elchjagd im letzten Herbst (Beitrag 20) aufgefallen. Die Jagdgruppe besteht größtenteils aus eher alten Menschen, der eine oder andere hat auch schon einen Hüftschaden, humpelt oder ist insgesamt nicht mehr so stabil. Die Treibjagd-Gänge durch Wälder, über Hügel und durch unwegsames Terrain haben aber alle erstaunlich gut verkraftet – es hat sich uns eine ganz andere Grundhaltung der Menschen gezeigt als das, was wir diesbezüglich aus Deutschland im Großen und Ganzen gewohnt sind.

Das führt mich zu einem wichtigen Thema, was die Eigenverantwortung in der schwedischen Psyche sicher zusätzlich unterstützt: das hiesige Gesundheitssystem.

Es gibt in Schweden keine Hausärzte, zu denen man einfach hingehen kann. Bei Gesundheitsfragen wird oft zuerst die nationale telefonische Gesundheitshotline angerufen. Dort spricht man mit einer Krankenschwester (die haben hier in Schweden ein Studium hinter sich und haben erheblich mehr Kompetenzen, als in Deutschland), die schon erste Ratschläge erteilen kann. Ist es dann trotzdem nötig, persönlich in Augenschein genommen zu werden, gibt es die so genannte „Vårdcentral“ in den meisten größeren Städten. Dort gibt es einen diensthabenden Arzt, der aber nicht fest zugeteilt ist, sondern es kann sein, dass man bei einem späteren Besuch von einem anderen Arzt behandelt wird. Bevor man allerdings zum Arzt „vorgelassen“ wird, spricht man wiederum mit einer Krankenschwester, die schon eine erste Diagnose stellt. Es kann dann sein, dass ein Vorsprechen beim Arzt dann gar nicht mehr stattfindet, sondern die Krankenschwester schon Medikation und Therapie verschreibt und man wieder nach Hause geht. Nur bei entsprechend ernsten medizinischen Sachverhalten kommt der Arzt zum Zug.

Was ist hier also der größte Unterschied im Vergleich zu Deutschland? Man wird hier erst einmal als grundlegend gesund betrachtet; es muss sich zeigen, ob es stimmt, dass man krank ist, so wie man es denkt oder behauptet. In Deutschland ist man krank und geht zum Arzt, der einem das bitteschön zu bestätigen hat. Ärztliche Kapazitäten werden in Hausarztpraxen oftmals von Patienten blockiert, die streng genommen nicht dort sein müssten. Selbst in Notaufnahmen der Krankenhäuser blockieren Bagatelle viel zu oft die Kapazitäten der Ärzte, so dass für diejenigen, die es wirklich brauchen, weniger Ressourcen vorhanden sind.

Das Setzen auf Eigenverantwortung hat auch während der Corona-Zeit in Schweden recht gut funktioniert. In Deutschland schlugen in der Medienberichterstattung darüber vor allem Unverständnis und Unbehagen durch. Oftmals auch in Form einer polemischen Art von Schweden-Bashing (wie unverantwortlich, den Menschen die Eigenverantwortung zu lassen). Jetzt, wo mit etwas Abstand die medizinischen, finanziellen und gesellschaftlichen Folgen des Handelns während der Corona-Zeit besser bewertbar sind, zeigt sich klar, dass diese Berichterstattung in Deutschland unangemessen war und vielleicht vor allem dazu gedient hat, das eigene Handeln und dortige gesellschaftliche und mediale Narrativ zu stützen.

Aktuelle Daten des „World Happiness Report“ und der gerade veröffentlichte Bericht der „Reporter ohne Grenzen“ zur Pressefreiheit zeigen, dass Schweden als Land, das auch in schwierigen Zeiten auf Selbstverantwortung und ein Grundprinzip der möglichst großen Freiheit gesetzt hat, gut fährt.

Probleme gibt es in Schweden selbstverständlich auch. Wie überall gilt auch hier: je genauer man hinschaut, umso mehr kann man kritisieren.

Es mag in manchen Situationen leichter sein, immer gesagt zu bekommen, was man tun soll und darf. Reglementierungen und Bürokratie schaffen manchmal auch ein Gefühl der (scheinbaren) Sicherheit. Gesellschaftliche Freiheitswerte bleiben aber ein abstraktes Konzept, wenn man nicht davon ausgeht, dass die Menschen fähig sind, in vielen Bereichen Eigenverantwortung zu zeigen. Diese Eigenverantwortung traut Schweden als politischer Akteur seinen Bürgern aber zu. In einem Weltklima, was überwiegend von Angst und Zwiespalt geprägt wird, ist das nicht selbstverständlich.

Wir sind froh, hier zu sein.

58) Gäste

Heute Nacht waren die ersten Gäste in unserer Ferienunterkunft und haben alles getestet. Ein paar Dinge sind dabei aufgefallen, die mit wenig Aufwand verbessert werden können.

Weiterhin habe ich gestern einen großen Kübel aus herumliegendem Holz gebaut, in den dann irgendwann Gemüsepflanzen umgetopft werden können. Ich hatte mir vorher eine Skizze gemacht, wollte dann aber eine 2 Meter lange Holzstange und ein 4 Meter langes Brett verwenden und beim Sägen möglichst keine Reststücke erzeugen, deswegen wurde der Plan dann ein bisschen geändert. Die Maße waren dementsprechend am Ende je 50 cm für die Beine und 45×55 cm an den Seiten. Innen ist als Verkleidung ein Stück Tarp, das ebenfalls schon im Schuppen lag.

Und auch noch weitere Gäste sollen nicht unerwähnt bleiben: ein Blaumeisen-Paar steckt momentan Gräser und Zweige in das Vogelhaus, das wir letztens aufgehängt haben (Beitrag 52).

57) Büsche

Ich habe im vorherigen Beitrag noch ein paar weitere Fotos von unserer Ferienunterkunft hinzugefügt.

Auf unserem jetzigen Grundstück hat mein Mann heute vier Büsche gepflanzt. Hoffentlich sind die Zäune ausreichend stabil als Fress-Schutz vor den Rehen.

Bei der Gartenarbeit sammeln wir nach und nach den ganzen Schrott ein, der hier herumliegt. Einerseits ist teilweise schon einiges darüber gewachsen und andererseits der Boden an manchen Stellen noch gefroren, deswegen dauert das eine Weile. In den letzten Jahrzehnten wurden hier unter anderem Fensterscheiben, Fahrradreifen, Metallrohre, Stacheldraht und Glasflaschen entsorgt. Auch der Maschendrahtzaun lag da, den wir für die Büsche verwendet haben.

Es ist hier schon jetzt, Mitte April, um 5 Uhr hell und erst gegen halb 10 dunkel. Das wird noch sehr interessant, wie es sich dann im Juni fast komplett ohne Dunkelheit in der Nacht anfühlt.

56) Ferienhäuser

Jetzt haben wir die unteren beiden Hütten unseres ursprünglichen Grundstücks fertig hergerichtet und bieten sie ab sofort als Ferienunterkunft auf AirBnB an!

Man kann sein Auto in der Einfahrt parken, auch für ein Wohnmobil gäbe es dort genug Platz. Die Benutzung der Infrarot-Sauna ist möglich. Im (von der Einfahrt aus gesehen) rechten der beiden Häuser befindet sich die Küche mit dem Esstisch sowie einem Schlafsofa.

Wohnzimmer mit Küche

In der linken der beiden Hütten, ca. 20 Meter entfernt, sind zwei Räume: die erste Tür ist das Badezimmer mit Toilette, Waschbecken und Dusche. Im Bad kann man warmes Wasser zum Duschen haben, indem man eineinhalb Stunden vorher den Boiler einschaltet. In der Küche gibt es einen Wasserkocher, aber kein Warmwasser aus der Leitung.

Bad

Das Zimmer daneben ist das Schlafzimmer. Hier sind zwei einzelne Betten (80×190), die als Doppelbett nebeneinandergestellt werden können. Decken und Kissen inklusive der Bezüge und Handtücher sind vorhanden.

Schlafzimmer

Im Außenbereich vor dem Küchen-Haus steht ein Gartentisch mit Stühlen auf der überdachten Terrasse. Vor dem anderen Haus befindet sich eine Veranda, auf der es ebenfalls Sitzgelegenheiten gibt. Von hier aus kann man oft Rehe und andere Tiere beobachten und hat abends den Blick über die Felder Richtung Sonnenuntergang.

Im Garten steht eine weitere Sitzgarnitur aus einem Tisch und zwei Bänken. Eine Leine zum Trocknen von (per Hand) gewaschener Wäsche ist gespannt. Die Straße ist nah, aber nicht viel befahren.

Hier sind ein paar Informationen, was man von der Unterkunft aus beispielsweise unternehmen kann:

  • Natur: direkt vor der Haustür liegen schöne Strecken zum Wandern und Radfahren und Seen zum Baden, aber das Highlight ist die Nähe zum Glaskogen Naturreservat (eine halbe Stunde entfernt). Hier kann man ein Wegenetz aus 300 km erkunden, campen, Kanu oder Kajak fahren, angeln…
  • Frisches Gebäck: eine Minute zu Fuß entfernt ist eine Bäckerei mit Sauerteigbrot, Rosinensemmeln, den typischen schwedischen Kanelbulle und vielen weiteren Produkten.
  • Einkaufen: der nächste Supermarkt ist 10 Minuten mit dem Auto entfernt, er hat auch sonntags geöffnet.
  • Årjäng: in 20 Minuten ist man im nächsten größeren Ort mit weiteren Supermärkten, Systembolaget (Geschäft für Alkohol), Fitnessstudio, Apotheke, Freibad…
  • Värmland: Durch die Provinz fließt der Klarälven und mündet bei Karlstad in den größten See des Landes. Man kann auf dem Fluss Floßfahren und fast 200 km an ihm entlang spazieren oder radeln.
  • Arvika oder Karlstad: In ca. 40 Minuten ist man in Arvika, der nächstgrößeren Stadt mit Schwimmbad etc., und etwa 1:20 Stunden braucht man bis nach Karlstad in die Hauptstadt des Bezirks, in der auch Museen und weitere Sehenswürdigkeiten sind.
  • Oslo oder Stockholm: ungefähr eineinhalb Stunden braucht man für die Fahrt in die norwegische Hauptstadt. Nach bzw. von Stockholm sind es etwa viereinhalb Stunden. Auf einem Rad- oder Roadtrip zwischen den beiden Städten liegt unsere Unterkunft genau richtig. Göteborg ist etwa 3 Stunden entfernt.

Wir freuen uns auf die ersten Gäste! 🇸🇪 🏘