145) Wir als positives Beispiel

Zur Zeit lese ich ein beeindruckendes Buch. „Can´t Hurt Me“ von David Goggins erzählt die bewegte Lebensgeschichte eines Menschen, der zahlreiche Widerstände überwinden konnte und unter anderem zu einem der besten Ultra-Marathonläufer der Welt geworden ist.
Eine Passage des Buches hat mich zu diesem Artikel inspiriert. Goggins beschreibt die Negativität, die ihm in der Vorbereitung auf seinen ersten Badwater-Ultramarathon (ein 135 Meilen langes Rennen im Juli durchs Death Valley) entgegenschlug:
„Most of us are motivated as hell to do anything to pursue our dreams until those around us remind us of the danger, the downside, our own limitations, and all the people before us who didn´t make it.“ (Can´t Hurt Me, S.218)

An sich kein neuer Gedanke. Als ich das gelesen habe, ist mir aber bewusst geworden, dass diese Aussage in höchstem Maße auf unser Projekt des Auswanderns zutraf.
Wir hatten einen Traum, der sich langsam entwickelt hat. Wir hatten gute Gründe, diesen Traum zu verfolgen, und waren entsprechend engagiert darin, diesen Traum letztlich zu verfolgen und umzusetzen.
In der Rückschau fällt mir auf, dass mir während des kompletten Projektes „Auswandern“ kaum positive Meinungen entgegenschlugen. Es war ganz im Gegenteil tatsächlich so, wie es Goggins schreibt: Warner und Bedenkenträger allerorten.
„Ein altes Haus zu kaufen macht nur Arbeit und Ärger“.
„So ein großes Grundstück ist doch viel zu viel Arbeit“.
„Ich kenne auch jemanden, der sich sowas gekauft hat und total überfordert war/ jemanden, der ausgewandert ist und dann enttäuscht war“.
Und so weiter.

Während für eine große Veränderung wie Auswandern oder generell Umziehen in eine komplett neue Umgebung die potentiellen Risiken und Vorteile gut abgewogen werden müssen, dient das Sperrfeuer, was aus der Umgebung oftmals die Handlungen versucht zu sabotieren, vor allem dazu, den Status Quo der Schießenden zu rechtfertigen.
Sicherlich werden einige dieser Warnungen und Bedenken in der besten Absicht vorgetragen. Sie sind aber, um das bekannte Zitat aus Goethes Faust umzukehren, ein Teil jener Kraft, die stets das Gute will und das Böse schafft.

Wenn du vor einer Entscheidung stehst, die dein Leben umkrempeln wird, lass dich nicht von den Bedenkenträgern, die dich in ihrem Status Quo fangen möchten, beeinflussen.
Es muss nicht um Auswandern oder Umzug gehen. Auch ein radikaler Bruch mit Lebensgewohnheiten (zum Beispiel ungesunde Ernährung, körperliche Faulheit) ruft das Sperrfeuer der anderen auf den Plan, denn du bist derjenige, der ihnen einen Spiegel vorhält. Und viele Menschen schauen lieber weg, als dem eigenen Spiegelbild ins Gesicht zu schauen und das zu ändern, was geändert werden sollte.

Es würde mich freuen, wenn der eine oder andere an uns als positives Beispiel denkt, wenn ein schwieriges Projekt ansteht. Wir haben das geschafft – warum solltest du es nicht schaffen?

144) Neues Seminar

In Beitrag Nr. 132 habe ich hier ja bereits etwas über meine Arbeit geschrieben. Dieses Jahr beginne ich damit, mein neues Seminar „Abi in Årstad“ anzubieten. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die vor ihrem finalen Schuljahr stehen und in ihren letzten Sommerferien vor dem Abitur meine Unterstützung als Deutschlehrerin, als Projektmanagerin sowie als Erlebnispädagogin und Trainerin mit einem einwöchigen Aufenthalt bei uns in Schweden kombinieren wollen. Hier ist der Flyer:

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr diese Informationen weitergebt an alle, für die das Angebot relevant sein könnte. Danke! Hier ist der Link:

143) Kartoffelacker gepflügt

Gestern war ich in der Früh beim Kartoffelmobil. Das ist ein durchs Värmland fahrender LKW, der viele verschiedene Sorten Setzkartoffeln säckeweise geladen hat und im Frühling etwa alle vier Wochen bei uns in der Gegend ist. Die Zeitpunkte sind im Internet ersichtlich, Auswahl und Preise ebenso. Der Fahrer war auch bei der Beratung hilfreich, und so habe ich jeweils fünf Kilo der Frühkartoffel-Sorten Maria, Early Puritan und Amandine sowie der Spätkartoffel Sava genommen. Also eine mehlige (Early Puritan) und drei feste Varianten.

Heute ging es der freien Fläche vor unserem Haus zwischen den Apfelbäumen und dem Holzschuppen an den Kragen, die letzten Sommer noch ungenutzt war. Hier in der Umgebung und auch auf der anderen Seite unseres Grundstücks gibt es sehr viele Wiesen mit Blumen und Gräsern, für die Insekten stellt unsere Ackerfläche daher keinen schweren Verlust dar.

Vorher

Um 9 Uhr kam ein Nachbar im Traktor, der zuerst die Erde auf ca. 150 Quadratmetern umgepflügt und dann den Großteil der Pferdekacke (siehe Beitrag 136) darauf verstreut hat. Der Rest des Haufens bleibt dort erstmal liegen, wir verwenden ihn den Sommer über teilweise als Riesen-Hügelbeet für Kürbisse und Sonnenblumen und düngen im Herbst nach der Ernte dann nochmal das Feld damit.

Danach kam ein anderer Nachbar, der mit einem kleineren Traktor die gelockerte Erde und den Mist darauf vermischt hat. Er wurde mir als Kartoffel-Experte vorgestellt, unser Boden ist hier also in guten Händen…

Ich saß währenddessen auf einem Baumstumpf und hab ihnen zugeschaut und mich darüber gefreut, jetzt auf einem Grundstück zu leben, auf dem Traktoren uns einen Acker zum Gemüseanbau anlegen können. So sah das Ganze dann nach diesen bisherigen drei Arbeitsschritten aus:

Mittags kam dann der erste Nachbar wieder mit einer anderen angehängten Maschine, welche die Rillen in den Acker zieht, in die die Knollen dann gepflanzt werden. Das ging besser als von ihm erwartet, obwohl der Boden nicht den perfekten Grad an Trockenheit hatte. Er meint, dass es nächstes Jahr umso besser ist, wenn wieder Kompost eingearbeitet wird.

Dann ging es ans Einpflanzen der Kartoffeln in die Rillen:

Als weiteres Projekt dieses erfolgreichen Arbeitstages heute bin ich aktuell noch dabei, am vorderen Ende des Feldes aus übrigen Ästen ein Gerüst zu bauen, an dem Bohnen etc. hochwachsen können. Das hier ist der Zwischenstand, es werden noch mehr Querstreben dazukommen:

Und zu guter Letzt waren wir noch kurz im Baumarkt (ja, am Sonntag 🙂 ), um Wasserschläuche und einen entsprechenden Adapter für den Hahn in der Küche zu besorgen. Er ist bereits installiert und Jost bewässert gerade alles… Mal sehen, wie es mit den Kartoffeln in den nächsten Monaten läuft!

142) „Unser“ See

Kaum wohnen wir seit fast zwei Jahren hier, waren wir heute endlich das erste Mal an einem der beiden Seen, die in unserem Waldgrundstück liegen. Sie gehören uns an sich nicht, aber da keine Wege hinführen, ist dort sonst auch niemand. Wir hatten schonmal versucht hinzukommen, mussten die Wanderung damals dann aber abbrechen, weil es zu unwegsam und außerdem zu dunkel wurde (das war im Herbst). Heute haben wir einen anderen Pfad genommen, der zwar durch ein Sumpfgebiet verlief und uns klatschnasse Füße beschert hat, aber wir sind nach einem Stück querfeldein schließlich an den kleineren der beiden Seen gekommen. Er lag sehr still da und hat keinen sichtbaren Zu- oder Abfluss.

Eine Entdeckung dort in der Nähe war auch noch positiv, wir haben die oberen beiden Eckpunkte unseres Grundstücks gefunden, die wie auch am unteren Ende mit Stangen markiert sind:

Es war eine schöne Wanderung in dieser kurzen, tollen Phase des Jahres ohne jegliche Mücken und Elchfliegen… Apropos Elche, da sehe ich momentan abends auf den Heimfahrten regelmäßig zwischen fünf und zehn Stück an den Straßen und auf den Feldern, teilweise auch Kühe mit Kälbern.

Im Garten geht es auch frühlingshaft vorwärts, der Misthaufen wird nach und nach von Jost verteilt. In unserer Küche wachsen die Gemüsepflanzen munter vor sich hin und warten darauf, dass sie in die Beete ausgesetzt werden oder ins Gewächshaus umziehen können, sobald es auch nachts sicher nicht mehr friert… Das wird noch ungefähr zwei Wochen dauern. Bis dahin kommen sie tagsüber für ein paar Stunden in die Sonne vor den Eingang zum Abhärten.

Gerade sitzen wir in der Abendsonne an der oberen Hütte und genießen die Aussicht… Die kalte Jahreszeit ist seit ungefähr drei Wochen vorbei und der Unterschied, den die Wärme und die Helligkeit ausmachen, ist riesig. Alles wirkt machbarer, wir verbringen wieder viel mehr Zeit draußen, sind produktiver und besser gelaunt…

Der zweite schwedische Winter ist also geschafft. Das ist natürlich eigentlich keine besonders gute Einstellung, aber es fühlt sich momentan so an. Ich werde versuchen, schon den Sommer über vorzusorgen und mich durch verschiedene Methoden wie Kälteanpassung etc. darauf vorzubereiten, dass der nächste Winter (von dem ich jetzt noch nicht rede…) besser wird!

141) Hexen verjagt

Heute Abend hat das Valborgsfest stattgefunden, es ist Walpurgisnacht! Um 20 Uhr war Treffpunkt in Kloppa. Der große Scheiterhaufen war dort schon aufgebaut. Etwa 200 Personen aus der Umgebung waren da, würde ich schätzen.

So hell ist es hier um ca. halb neun abends momentan

Nach einer kurzen Begrüßung durch den Vorsitzenden des Nachbarschaftsvereins hat eine Gastrednerin eine Ansprache über den Frühling und über die „Jahreszeiten“ des Lebens gehalten, über das Kommen und Gehen. Anschließend hat der Chor einige Lieder gesungen, eines davon heißt „Willkommen schöner Mai“. Hier ein Video:

Danach wurde es spannend, es gab eine Lotterie. Jedes Los kostet 10 Kronen, zu gewinnen gab es verschiedene Gewächse sowie einige Netze mit Setzkartoffeln. Wir waren leider nicht erfolgreich…

Das Feuer wurde angezündet, aber etwas (für uns) unerwartet war die Veranstaltung dann relativ schnell vorbei: viele sind heimgefahren, ohne sich noch ans Feuer zu stellen. Einige sind aber auch ins Haus, wo es Fika und Abendessen für 100 kr pro Person gab, dort ist der Abend bestimmt länger geworden… 🧙‍♀️🧹 Schönen Feiertag morgen!