Wie Sandra bereits geschrieben hat (letzter Beitrag), kommen wir jetzt in den Genuss, unseren Internetanschluss über Starlink-Satelliten zu empfangen. Sicherlich kann man streitbare, polarisierende Personen wie Elon Musk auch kritisch betrachten. Dennoch finde ich es sehr beeindruckend, was er (auch) hier leistet. Denn das ist zum Beispiel mehr, als die deutsche Telekom leistet (dazu später mehr).
Die Daten, die Sandra in ihrem Artikel genannt hat, sind nicht ganz korrekt. Unser bisheriges Internet, was wir über ein 4G Modem bezogen haben, lieferte zwar „bis zu“ 25 Mbit. Diese Geschwindigkeit wurde allerdings wenn überhaupt, dann nur nachts gemessen. Die tatsächliche Geschwindigkeit bei so etwas richtet sich auch nach der Auslastung des Funkmasten, von dem das Signal kommt. Deshalb war die tatsächliche Internetgeschwindigeit tagsüber und insbesondere zu „Stoßzeiten“ erheblich niedriger und ging häufig nicht über 2 oder 3 Mbit hinaus. Das ist so wenig, dass es für einfache Dinge im Internet (Online-Unterricht, Laden von komplexeren Websites, Streaming sowieso) zwar geht, aber nicht wirklich reicht. Über Starlink haben wir eine stabile Geschwindigkeit von 100-150 Mbit, nachts habe ich aber auch schon einmal fast 300 Mbit gemessen. In der Folge ist das Internet über Starlink also erheblich mehr als fünfmal so schnell wie unsere bisherige Verbindung. Zum selben monatlichen Preis, versteht sich.
In Schweden ist es so, dass Glasfaser-Inernet im großen und ganzen landesdeckend verfügbar ist. Im Unterschied zu Deutschland bezahlt man aber den Anschluss und das Kabel von der Hauptleitung (in der Regel die nächste Straße) bis zum Wohnhaus selbst. Dafür kann man ein Unternehmen beauftragen, und die Kosten dafür belaufen sich plus minus auf etwa 2000€. Will man das nicht, beziehungsweise kann es nicht (weil keine Leitung in der Nähe ist, was die absolute Ausnahme sein dürfte), kann man es machen wie wir. Die Hardware von Starlink, die wir nutzen, kostet zur Zeit etwa 700€. Aber auch ohne Starlink ist ein Mobilfunk-Modem für das Internet meistens eine akzeptable Wahl, weil die Netzabdeckung in Schweden auch in entlegendsten Gebieten akzeptabel bis sehr gut ist (also 4G quasi immer, 5G teilweise).
Die digitale Infrastruktur in Schweden ist also hervorragend, was das Leben in ländlichen Gebieten attraktiver macht. So können nämlich Menschen, die online beziehungsweise remote arbeiten, ohne Probleme ihrer Arbeit nachgehen. So kann man auch in Lappland einen Film online schauen und muss nicht 200 km zum nächsten Kino fahren. So kann per Videokonferenz in einsamen, dunklen Gegenden Nordschwedens Kontakt mit Freunden und Bekannten gehalten werden.
Wer dagegen beispielsweise nach Ostdeutschland in ein ländliches Gebiet zieht, sollte besser nicht auf schnelles Internet angewiesen sein. Remote arbeiten ist häufig nicht gut möglich, die Arbeit in den strukturschwachen Gegenden Ostdeutschlands (aber natürlich nicht nur dort) dürfte vor allem in den Großstädten zu finden sein. Das führt dazu, dass die ländlichen Gegenden immer mehr verwaisen und eine Abwärtsspirale entsteht. Das gilt freilich nur dafür, wenn man die bestehende Infrastruktur von Mobilfunk und Glasfaser dort nutzen will. Denn mit Starlink gilt das beispielsweise alles nicht, das funktioniert dort ähnlich gut wie hier.
„In Deutschland haben seit gut drei Jahren alle ein Recht auf Mindestversorgung mit Internet. Doch erst im März hat die Bundesnetzagentur erstmals einen Netzbetreiber dazu verpflichtet, einen Anschluss herzustellen. Nun scheint sich zu erhärten: Es soll sich um den Satellitenanbieter Starlink von Elon Musk handeln.“
Quelle:
https://netzpolitik.org/2024/mindestversorgung-mit-internet-starlink-soll-angeblich-deutsche-breitbandluecken-schliessen/
Warum hier Starlink das geraderücken soll, was ein ehemals staatlicher und immer noch staatsnaher Konzern wie die Telekom über die letzten Jahrzehnte verkackt hat, darüber kann sich jeder mal Gedanken machen.
Berichte über die infrastrukturelle Verwahrlosung in Deutschland nehmen immer mehr zu, zum Beispiel hier:
https://www.wir-hier.de/politik-und-wirtschaft/chemiestandort-rlp/detail/infrastruktur-wir-brauchen-bei-der-finanzierung-eine-langfristige-loesung/
Ein grundsätzliches Problem dahinter ist eine Kultur der Gier und des unsozialen Verhaltens von Unternehmen. In Bezug auf die Deutsche Bahn und deren Umgang mit maroden Bahnhöfen, Brücken, Gleisen und so weiter, gilt beispielsweise: Gewinn wird privatisiert (Boni und Gehälter für Führungspersonal steigen stetig usw.), Kosten werden verstaatlicht. Denn würde die Bahn präventiv handeln und ihre Infrastruktur in Schuss halten, müsste sie die Kosten selbst tragen. Ist die Infrastruktur aber erst einmal so marode, dass sie eine Gefahr darstellt, muss der Staat eingreifen (also der Steuerzahler). Auch das ist Stoff für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen.
In Bezug auf die digitale Infrastruktur in Deutschland kann man es aber auch positiv sehen: eine Infrastruktur, die nicht existiert, kann auch nicht marode werden.