203) Drei Jahre in Schweden

Heute vor drei Jahren war die Abfahrt aus München und der erste Beitrag wurde hier im Blog hochgeladen.

Unser Kofferraum bei der Abreise

Seitdem ist viel passiert: das erste halbe Jahr in den Hütten, die erste Elchjagd, die Sprachkurse, der Umzug ins Haus, der Job im Supermarkt, viele Urlaube in München, Besuche von Familie und Freunden hier, die Hühner… Es ist inzwischen nicht mehr möglich, die gesamte Zeit mal eben „kurz“ zusammenzufassen. Hier im Archiv und in den Kategorien kann man alles nachlesen – das mache ich auch selbst ab und zu!

Heute ist mein neues Fahrrad angekommen, ein Canyon Mountainbike, und wir sind direkt zusammen zum See gefahren, der per Rad etwa 25 Minuten entfernt ist, und es war ein sehr schöner Ausflug zum Baden in der Abendsonne.

Ein Kürbis an der Hauswand wächst heran, es sieht ansonsten bisher nicht nach einer übermäßigen Ernte aus wie in den letzten Artikeln bereits beschrieben, aber das kann ja noch werden! Eine erste Kartoffel haben wir vorhin probeweise auch aus dem Feld gezogen, und sie sah wunderbar aus. Also mal abwarten, wie der Spätsommer weitergeht! Am Montag ist erstmal der Beginn meines neuen Jobs in der Schule…

202) Ein kleines Update

Während in Bayern die Sommerferien gerade erst begonnen haben, kommen hier in der Nachbarschaft alle nach und nach aus dem Urlaub zurück. Der Juli war sehr regnerisch und an den paar wenigen warmen Tagen war es meistens schwül. Für einige Pflanzen war das nicht schlecht. Die Äpfel sehen dieses Jahr bisher gut aus, allerdings ist heute einer der Bäume durch das Gewicht des Obstes leider komplett abgebrochen. Die anderen werden wir schnellstmöglich versuchen abzustüzen. Auf die Kartoffeln im Acker sind wir gespannt, die waren letztes Jahr ja wirklich gelungen. Im Folientunnel wuchern die Gemüsepflanzen, aber für Früchte war es bisher nicht wirklich warm genug… Das kommt hoffentlich noch, genau wie die Sonnenblumen auf dem Misthaufen.

Unseren zehn Hühnern und Mario geht es sehr gut, wir haben täglich 8 bis 10 Eier. Der Arbeitsaufwand dafür beschränkt sich grundsätzlich auf das Rauslassen morgens und den Stall zumachen abends, Wasser wechseln, Futter und Muschelkalk auffüllen, sowie einmal die Woche alles säubern. Ansonsten bekommen sie ab und zu besonderes Futter wie Grasschnitt, geraspelte Karotten, heruntergefallene Äpfel oder eingeweichtes Brot.

In den letzten Wochen habe ich immer wieder auf verschiedene Pferde in der Umgebung aufgepasst. Teilweise ging es dabei nur um das Auffüllen der Wassertränke und einen allgemeinen Blick, teilweise war alles inklusive, z.B. Ausmisten, Bewegung, Kraftfutter, Heu… Eine Win-Win-Win Situation für die Besitzer im Urlaub, für die Pferde und für mich.

An verschiedenen Stellen unseres Grundstücks haben wir dieses Jahr Blumenmischungen ausgesät, so dass jetzt viele Beete schön bunt blühen und die Nachbarn bei der Fahrt auf dem Kiesweg erfreuen. Und noch ein Highlight zum Schluss: zwei Elche heute Vormittag auf dem Weg in die Arbeit! Hier das kurze Video:

201) Noch ein paar Gedanken zu Starlink

Wie Sandra bereits geschrieben hat (letzter Beitrag), kommen wir jetzt in den Genuss, unseren Internetanschluss über Starlink-Satelliten zu empfangen. Sicherlich kann man streitbare, polarisierende Personen wie Elon Musk auch kritisch betrachten. Dennoch finde ich es sehr beeindruckend, was er (auch) hier leistet. Denn das ist zum Beispiel mehr, als die deutsche Telekom leistet (dazu später mehr).

Die Daten, die Sandra in ihrem Artikel genannt hat, sind nicht ganz korrekt. Unser bisheriges Internet, was wir über ein 4G Modem bezogen haben, lieferte zwar „bis zu“ 25 Mbit. Diese Geschwindigkeit wurde allerdings wenn überhaupt, dann nur nachts gemessen. Die tatsächliche Geschwindigkeit bei so etwas richtet sich auch nach der Auslastung des Funkmasten, von dem das Signal kommt. Deshalb war die tatsächliche Internetgeschwindigeit tagsüber und insbesondere zu „Stoßzeiten“ erheblich niedriger und ging häufig nicht über 2 oder 3 Mbit hinaus. Das ist so wenig, dass es für einfache Dinge im Internet (Online-Unterricht, Laden von komplexeren Websites, Streaming sowieso) zwar geht, aber nicht wirklich reicht. Über Starlink haben wir eine stabile Geschwindigkeit von 100-150 Mbit, nachts habe ich aber auch schon einmal fast 300 Mbit gemessen. In der Folge ist das Internet über Starlink also erheblich mehr als fünfmal so schnell wie unsere bisherige Verbindung. Zum selben monatlichen Preis, versteht sich.

In Schweden ist es so, dass Glasfaser-Inernet im großen und ganzen landesdeckend verfügbar ist. Im Unterschied zu Deutschland bezahlt man aber den Anschluss und das Kabel von der Hauptleitung (in der Regel die nächste Straße) bis zum Wohnhaus selbst. Dafür kann man ein Unternehmen beauftragen, und die Kosten dafür belaufen sich plus minus auf etwa 2000€. Will man das nicht, beziehungsweise kann es nicht (weil keine Leitung in der Nähe ist, was die absolute Ausnahme sein dürfte), kann man es machen wie wir. Die Hardware von Starlink, die wir nutzen, kostet zur Zeit etwa 700€. Aber auch ohne Starlink ist ein Mobilfunk-Modem für das Internet meistens eine akzeptable Wahl, weil die Netzabdeckung in Schweden auch in entlegendsten Gebieten akzeptabel bis sehr gut ist (also 4G quasi immer, 5G teilweise).

Die digitale Infrastruktur in Schweden ist also hervorragend, was das Leben in ländlichen Gebieten attraktiver macht. So können nämlich Menschen, die online beziehungsweise remote arbeiten, ohne Probleme ihrer Arbeit nachgehen. So kann man auch in Lappland einen Film online schauen und muss nicht 200 km zum nächsten Kino fahren. So kann per Videokonferenz in einsamen, dunklen Gegenden Nordschwedens Kontakt mit Freunden und Bekannten gehalten werden.

Wer dagegen beispielsweise nach Ostdeutschland in ein ländliches Gebiet zieht, sollte besser nicht auf schnelles Internet angewiesen sein. Remote arbeiten ist häufig nicht gut möglich, die Arbeit in den strukturschwachen Gegenden Ostdeutschlands (aber natürlich nicht nur dort) dürfte vor allem in den Großstädten zu finden sein. Das führt dazu, dass die ländlichen Gegenden immer mehr verwaisen und eine Abwärtsspirale entsteht. Das gilt freilich nur dafür, wenn man die bestehende Infrastruktur von Mobilfunk und Glasfaser dort nutzen will. Denn mit Starlink gilt das beispielsweise alles nicht, das funktioniert dort ähnlich gut wie hier.

„In Deutschland haben seit gut drei Jahren alle ein Recht auf Mindestversorgung mit Internet. Doch erst im März hat die Bundesnetzagentur erstmals einen Netzbetreiber dazu verpflichtet, einen Anschluss herzustellen. Nun scheint sich zu erhärten: Es soll sich um den Satellitenanbieter Starlink von Elon Musk handeln.“
Quelle:
https://netzpolitik.org/2024/mindestversorgung-mit-internet-starlink-soll-angeblich-deutsche-breitbandluecken-schliessen/

Warum hier Starlink das geraderücken soll, was ein ehemals staatlicher und immer noch staatsnaher Konzern wie die Telekom über die letzten Jahrzehnte verkackt hat, darüber kann sich jeder mal Gedanken machen.

Berichte über die infrastrukturelle Verwahrlosung in Deutschland nehmen immer mehr zu, zum Beispiel hier:
https://www.wir-hier.de/politik-und-wirtschaft/chemiestandort-rlp/detail/infrastruktur-wir-brauchen-bei-der-finanzierung-eine-langfristige-loesung/

Ein grundsätzliches Problem dahinter ist eine Kultur der Gier und des unsozialen Verhaltens von Unternehmen. In Bezug auf die Deutsche Bahn und deren Umgang mit maroden Bahnhöfen, Brücken, Gleisen und so weiter, gilt beispielsweise: Gewinn wird privatisiert (Boni und Gehälter für Führungspersonal steigen stetig usw.), Kosten werden verstaatlicht. Denn würde die Bahn präventiv handeln und ihre Infrastruktur in Schuss halten, müsste sie die Kosten selbst tragen. Ist die Infrastruktur aber erst einmal so marode, dass sie eine Gefahr darstellt, muss der Staat eingreifen (also der Steuerzahler). Auch das ist Stoff für eigene Gedanken und Schlussfolgerungen.

In Bezug auf die digitale Infrastruktur in Deutschland kann man es aber auch positiv sehen: eine Infrastruktur, die nicht existiert, kann auch nicht marode werden.

200) Starlink ist montiert

Dieser Blogartikel wird aus unserem neuen Wifi-Netzwerk gepostet, nachdem heute Abend die Starlink-Hardware auf dem Dach montiert wurde. Durch diese von Elon Musk entwickelte Technologie haben wir jetzt etwa fünfmal so schnelles Internet wie bisher, was super für den Online-Unterricht im kommenden Schuljahr ist.

Das ist die Helligkeit um 22 Uhr.

Ein paar Stichpunkte zum Blog-Jubiläum:

  • Eintausendvierundfünfzig Tage sind seit dem ersten Blogartikel hier vergangen, und jetzt sind wir bei Nummer 200. Also etwa alle fünf bis sechs Tage im Schnitt.
  • Der Monat mit den meisten Beiträgen, nämlich dreizehn, war der September 2022.
  • Die beiden am meisten gelesenen Texte sind der hier (Corona) und der hier (Elchjagd).
  • Wir haben eindeutig elf Hühner mehr als zu Beginn des Blogs. Insgesamt haben wir bisher von ihnen 205 Eier in etwa sechs Wochen erhalten, 21 davon braun.
  • Ich habe ganz kurz vor dem ersten Artikel aufgehört, als Lehrerin vor Ort in einer Schule zu arbeiten, und jetzt beim zweihundertsten bin ich ganz kurz davor, wieder als solche zu beginnen. Dazwischen lagen Schulbegleitung, Selbständigkeit und Supermarkt.
  • An zwei von drei Midsommar-Feiertagen habe ich gearbeitet, dieses Jahr hatte ich frei. Hier ein Video, in dem gesungenen Lied geht es um einen rennenden Fuchs:

199) Meine neue Arbeitsstelle

Nächstes Schuljahr, welches hier Mitte August nach über zwei Monaten Sommerferien beginnen wird, arbeite ich als Grundschullehrerin in der ersten Klasse! An drei Tagen die Woche werde ich die beiden Lehrerinnen unterstützen, die dort Vollzeit unterrichten. Gerade war die Vertragsunterschrift und ich freue mich sehr darauf, neben meiner Selbständigkeit nun nach drei Jahren auch wieder live vor Ort als Lehrerin zu arbeiten – mit dem persönlichen Kontakt zu den Schülern, den Gesprächen mit Kollegen im Lehrerzimmer und allem, was dazugehört.

Meiner selbständigen Tätigkeit werde ich natürlich parallel weiterhin nachgehen und Unterricht, Workshops, Vorträge und Nachhilfe durchführen, wie bisher sowohl online als auch vor Ort in Deutschland.

Auch den Job im Supermarkt behalte ich, da ich die Arbeitszeit dort reduzieren konnte und es mir dort ebenfalls gut gefällt.

Ich freue mich auf den neuen Alltag, wenn das Schuljahr beginnt!