In den letzten paar Tagen ist es eher kühler, nass und sehr herbstlich hier mit bunten Blättern, Sonnenuntergängen und Regenbögen. Wir hatten im September Besuch, haben Lagerfeuer gemacht, waren im Glaskogen wandern und haben vor unseren Hütten gezeltet, wodurch ich mal wieder in den ersten Morgenstunden des Tages dort drüben war. Das war schön, es hat mich an den ersten, aufregenden Herbst des letzten Jahres in Schweden erinnert. Die Heizung hier im Haus ist jetzt repariert und nach über drei Monaten wieder angeschaltet, wir haben sie inzwischen auch schon einmal mit Holz statt Öl betrieben.
Vor unserem Umzug hier nach Schweden habe ich größtenteils auf relativ kleinem Raum gelebt, lange Zeit direkt in München in einer Wohnung. Es war dann eine große Veränderung, erst ein und dann zwei Grundstücke und mehrere Immobilien zu besitzen und pflegen zu müssen. Im Nachhinein wird mir erst bewusst, wie bequem mein Leben in einer Wohnung war. Alles lief mehr oder weniger von allein, war überschaubar und es gab nicht viele Notwendigkeiten.
Das hat sich hier grundlegend geändert. Unsere Hütten und das Haus sind zum Glück in einem Zustand, in dem es nicht nötig ist, dringende Reparaturen durchzuführen, aber auf den Grundstücken gab es viel zu tun in der hellen Jahreszeit. Auch, wenn wir nur auf einem Bruchteil der Grundstücksflächen den Rasen kurz halten, ist es doch eine große Fläche, die gemäht werden muss. An beiden Grundstücken, ungefähr alle zwei Wochen, weil das Gras bei dem vielen Licht im Sommer wächst wie Sau. Damit ist jeweils ein halber Tag Arbeit in der Sonne verbracht, in der Gesellschaft von zahlreichen Mücken und Bremsen. Auch das Gießen, Ziehen und Pflegen der Pflanzen nimmt einiges an Zeit in Anspruch, auch wenn es nicht wirklich anstrengend ist. Mit dem Wetter hatten wir hier in diesem Sommer Glück. Wir hatten zwei Phasen, in denen es einige Tage lang über oder um die 30 Grad warm war, ansonsten waren die Temperaturen sehr angenehm und es hat nach einem sehr trockenen April auch immer mal wieder geregnet. Somit musste weniger gegossen werden, als vielleicht in manch anderen Jahren. In den letzten Wochen kam dann noch einiges an Zeitaufwand dazu, um unser Gemüse zu ernten und gegebenenfalls zu verarbeiten, also zu fermentieren, einzufrieren oder einzumachen. Die Baumstämme, die hier noch gefällt lagen von den Vorbesitzern (es waren um die 10), sind inzwischen komplett verarbeitet. Zusätzlich haben wir noch eine größere Ladung Feuerholz geschenkt bekommen und ich habe schon im Frühjahr einige Holzblöcke, die hier auf dem Grundstück lagen, verarbeitet. Für die Verarbeitung der Stämme habe ich geschätzt etwa 40 Stunden aufgewendet. Jetzt ist ein massiver Vorrat an Feuerholz in unserer Scheune und trocknet für nächstes Jahr.
Für mich ist es ungewohnt, dass all diese Dinge auch mit einer gewissen Dringlichkeit erledigt werden wollen. Wenn der Rasen nicht gemäht wird, wird er zu hoch und ist kaum noch mit dem Rasenmäher zu schneiden – außerdem sieht es doof aus. Wenn das Gemüse nicht geerntet und verarbeitet wird, vergammelt es und wir können es nicht essen. Wenn das Holz nicht in Scheite weiterverarbeitet und gelagert wird, haben wir für den nächsten Winter kein Holz für die Heizung. Das sind die Dinge, die eben zu tun sind, und sie werden getan. Abhängig ist man hier dabei, wie die Bauern im Umfeld, auch vom Wetter: wenn es durchgehend regnet, muss der Rasen eben unbedingt an dem Tag geschnitten werden, an dem es mal nicht regnet. Ist es zu heiß, müssen die Pflanzen versorgt werden damit sie nicht verbrennen, und wird es im September in den Nächten zu frostig, muss vorher abgeerntet werden. Es ist ein Leben, was erheblich näher an der Natur ist, als mein früheres Stadtleben. Ein solches Leben lässt mich zufrieden sein und hält mich darüber hinaus gesund.
Ich betrachte die viele körperliche Arbeit als absolutes Privileg. Ich kann meine Zeit damit verbringen, in einer schönen Umgebung im Freien zu sein, Dinge zu erledigen, die sinnvoll sind und durch Arbeit stärker zu werden. Bewusst habe ich mir viele Tätigkeiten nicht so einfach wie möglich gemacht. Das Feuerholz hätte ich zum Beispiel, nachdem wir die Stämme mit der Kettensäge zertrennt hatten, auch mit einer Spaltmaschine produzieren können. Das wäre sicherlich schneller gegangen und das Ergebnis wären gleichmäßigere Scheite gewesen. So aber hatte ich Spaß mit meiner Axt und habe es bewusst als Workout gesehen. An einigen Tagen habe ich andere Übungen eingebaut (einen Block hacken, dann 10 Liegestütz, oder 5 Klimmzüge, oder 10 Ausfallschritte).
Seit meiner Jugend treibe ich, phasenweise mehr oder weniger intensiv, Sport. Es gibt viele Gründe dafür, das zu tun, und eigentlich keine Gründe, das nicht zu tun. Seitdem ich nach Schweden gezogen bin, fällt mir auf, dass ich noch eine andere Sichtweise auf meine eigene Fitness bekommen habe. Es ging mir zuvor teilweise um Leistung, um den Effekt von Sport auf die körperliche und seelische Gesundheit, ja teilweise auch nur darum, „nackt gut auszusehen“. Hier in Schweden sehe ich, dass Stärke und Fitness auch eng mit einer positiven Nützlichkeit verwoben sind. Wer schwach oder gebrechlich ist, hat keine hohe Kapazität für körperliche Arbeit. Zu einem gewissen Grad kann das durch den Einsatz von Maschinen oder die Hilfe von anderen Menschen kompensiert werden, was auch gut ist. Ein selbstbestimmtes, möglichst unabhängiges Leben erfordert meiner Meinung aber auch, dass ich mal in der Lage bin, schwere Dinge zu tragen, zu ziehen oder lange Zeit Arbeit auf dem Grundstück zu verrichten. Aus dieser Perspektive bin ich sehr froh, vor über 20 Jahren die Weichen für eine solche körperliche Leistungsfähigkeit gestellt zu haben.
Hin und wieder wurde das früher von Außenstehenden so kommentiert, dass mein Sportpensum doch extrem sei und ob das nicht übertrieben sei (ich habe nie Leistungssport getrieben). Ich frage: kann man zu stark oder zu fit sein? Wer stark sein KANN, muss es nicht immer sein und kann durchaus auch einmal Schwäche zeigen. Wer nicht stark ist, hat diese Wahl nicht.
Frei nach meinem Lieblingszitat (den Urheber kenne ich leider nicht, im Zweifelsfall Einstein, Goethe oder eine chinesische Weisheit): „Lieber ein Krieger sein, der im Garten arbeitet, als ein Gärtner, der in den Krieg zieht.“
Das Haus, in dem wir jetzt wohnen, ist das Elternhaus der Vorbesitzerin, von der wir es gekauft haben. Ihr Vater war hier in der Umgebung sehr bekannt, fast jeder Nachbar hat etwas über ihn zu erzählen. Viele sagen, sie waren früher oft in „unserem“ Haus zu Besuch. Ich versuche dann immer, ein bisschen mehr über ihn zu erfahren. Er wurde zum Beispiel schon als kreativ und „magisch“ bezeichnet.
Manchmal fügt sich hier wirklich eins zum anderen. Am Samstag bin ich ja, um das neue Handy auszuprobieren, auf unserem Grundstück herumgelaufen und habe unter anderem einfach aus Spaß ein Bild von dem kleinen Troll am Eingang gemacht. Kurz darauf stand eine Nachbarin vor der Tür und sagte, dass am nächsten Tag eine Art Volkshochschul-Ausflug stattfindet, bei dem es um den Vorbesitzer und seine hölzernen und steinernen Skulpturen im Wald gehen wird. Jemand hatte uns schonmal von ihnen erzählt und sie als teilweise obszön und anrüchig beschrieben… Ich bin spontan mitgegangen, und die folgenden Figuren hat man dort dann entdecken können (ca. 10 Minuten mit dem Auto von uns entfernt):
Als hätte ich die Wiesn vermisst, ist sie in einer kleineren Version dieses Wochenende zu uns nach Årjäng gekommen.
Der Marknad findet grundsätzlich jedes Jahr statt. 2020 ist er allerdings ausgefallen und 2021 war er nur sehr klein und ohne Fahrgeschäfte (da waren wir zwar dort, aber es war nicht wirklich der Rede Wert). Dadurch war klar, dass es diesmal bei so schönem Wetter sehr voll sein würde, und so kam es auch: Mittags gab es im ganzen Ort kaum einen Parkplatz.
Einen Stand mit Elch-Kebab sucht man auf dem Oktoberfest vergebens… Die Preise sind allerdings ähnlich hoch. Auch sonst ist es hier ein bunter Mix aus Verkaufsständen mit Spielsachen, Kleidung, Lebensmitteln, Süßigkeiten etc… Es erinnert an eine Mischung aus italienischem Basar, Flohmarkt, Biergarten und Volksfest! Wobei man alkoholische Getränke hier nur in einem abgetrennten, mit Sichtschutz eingezäunten Bereich konsumieren darf…
Beim Dosenwerfen hatten wir kein Glück, aber es war ein sehr schöner Nachmittag!
So gerne ich Schmetterlinge mag, bin ich trotzdem dagegen, dass diese kleinen Kohlweißlinge hier die Ernte auffressen… Die Raupen machen uns zur Zeit den Grünkohl streitig, die Pflanzen bestehen teilweise schon nur noch aus mehr Loch als Blatt:
Deswegen gehe ich momentan fast täglich mit Einmal-Handschuh und Schüssel bewaffnet ans Beet, sammle alle ab und befördere sie sanft aber bestimmt auf weiter entfernte Wiesen.
Auch Rehe sind jetzt, wo es kälter wird (es musste schonmal das Auto gekratzt werden…), gierig auf frische grüne Nahrungsmittel und kommen näher an die Häuser als im Sommer. Wenn wir früh wach sind, verjagen wir sie regelmäßig von unserem Grundstück. Besonders der Mangold scheint attraktiv zu sein, das Beet ist komplett abgegrast. Zum Glück hatten wir da vor einigen Tagen den Großteil schon verarbeitet.
Die Tomaten sind im Gewächshaus natürlich sicher davor, als Buffet missverstanden zu werden. An die Kürbisse draußen dagegen sind die Rehe tatsächlich gegangen, da waren wir aber noch rechtzeitig da. Nächstes Jahr werden auf jeden Fall Zäune gebaut…
Die Sonnenblumen unter den Apfelbäumen sehen sehr schön aus. Und die Bildqualität ist mit dem neuen Handy wirklich ein gutes Stück besser, finde ich…
Eine der letzten aktiven Bienen freut sich genauso über die Blüte:
Wir haben mehrere Köpfe Weißkohl gekauft und in den letzten Tagen geknetet und eingelegt, um verschiedene Arten von Sauerkraut herzustellen. Hier beispielsweise ein Rezept mit Kümmel und Senf:
Dieser kleine Troll bewacht übrigens unsere Eingangstür. Der Vater der Vorbesitzerin hat viele solcher Figuren aus Holz und Stein hergestellt, auch in der Umgebung in den Wäldern.
Hier noch ein paar Pfifferling-Impressionen, die wir weiterhin regelmäßig sammeln:
Ich habe hier für den Blog letztens eine Archiv-Seite erstellt, in der die Artikel nach den Monaten der Erscheinung aufgelistet sind, und ein Kontaktformular. Beides ist auch als Button auf der Startseite zu finden.
Vielen Dank für das Feedback in der Umfrage im vorherigen Artikel. Bitte nimm da kurz teil, falls du es noch nicht gemacht hast 🙂 Danke!