198) Der längste Tag

Gestern war Sommersonnenwende, der wahrscheinlich schönste und beliebteste Feiertag in Schweden, und dieses Jahr hatte ich das erste Mal frei und konnte mitfeiern. Zunächst wurde bei Nachbarn im kleinen Kreis die Stange mit Blumen geschmückt und aufgestellt, um sie getanzt und dort im Garten gegessen: jeder bringt sich etwas mit, traditionell gibt es Sill (Hering) mit Kartoffeln.

Anschließend war ich mit unserem Besuch in Kloppa, wo auch die Walpurgisnacht gefeiert wird, und wir hatten dort einen tollen Nachmittag mit Musik, Gesang, Tanz, Lotterie und Fika inmitten der historischen Gebäude. Abends ging es weiter zum Grillen, und anschließend haben Jost und ich den Tag am Lagerfeuer ausklingen lassen – das Foto davon hier zeigt, wie hell es um 23 Uhr in der kürzesten Nacht ist:

Unsere AirBnB-Hütten sind den Sommer über immer wieder gebucht und wir freuen uns sehr auf einige wiederkehrende Gäste der vorherigen Jahre, hier gab es letztens ein schönes Regenbogen-Bild über dem Grundstück:

Auch den Hühnern geht es wunderbar, gestern waren das erste Mal alle elf gleichzeitig draußen im Freien – endlich trauen sich auch die Neuen raus! Ein erstes kleines braunes Ei war vorgestern auch schon im Stall, zusätzlich zu den fast täglich fünf weißen. Hier ein Video vom Füttern, es gab Kartoffeln mit Zimt, Ingwer und Knoblauch zum Frühstück:

Ein richtiger Erfolg und Tipp ist unser Gurken-Vorhang im Küchenfenster. Wir haben Gewächshaus-Gurken vorgezogen und dann umgetopft und Schnüre bis hoch zur Vorhangstange gespannt (bei uns Südseite). Sie sind sehr schnell gewachsen, sehen super aus, tragen massenhaft Gurken (ein paar haben wir schon gegessen) und spenden Schatten im Esszimmer:

Im Folientunnel, dem Gewächshaus, den Beeten und dem Acker wächst weiteres Gemüse. Eine einzelne Erdbeere ist im Hochbeet und die Kartoffeln können bald angehäufelt werden:

Die Feuerlilien blühen gerade und viele andere Blumen im Garten auch. Es war ein sehr schöner Midsommar-Tag mit so vielen lieben und herzlichen Menschen!

197) Fünf weitere Hühner

Wie am Ende des letzten Beitrags schon angekündigt, sind inzwischen fünf weitere Hennen zu unserer Schar hinzugestoßen. Sie hatten aus Töcksfors mit 25 Minuten die weiteste Anreise von allen zu uns. Die Rasse heißt Lohmann, stammt aus Deutschland und ist wie auch die weißen Bovans speziell aufs Eierlegen gezüchtet. Also wieder keine alte Landrasse, aber für den Anfang passt das jetzt so.

Praktisch ist, dass sie braun sind und auch braune Eier legen werden, da kann man die zwei Gruppen gut auseinanderhalten. Sie sind zweieinhalb Monate jünger als die bisherigen Hennen und beginnen in zwei bis vier Wochen zu legen.

Die Zusammenführung ist eine Wissenschaft für sich, es gibt unzählige Strategien von Hau-Ruck bis (vielleicht) Übervorsichtig. Manche davon waren von vornherein ausgeschlossen, da wir nunmal keinen zweiten Stall haben und also keine schrittweise Annäherung ermöglichen können. Das, was all diese Methoden minimieren wollen, ist natürlich erstens das körperliche Verletzungsrisiko bei aggressivem Streit um die neue Hackordnung, zweitens den gesundheitlichen Stress, den das alles verursacht, und drittens die Gefahr der Einschleppung von Krankheitserregern.

Ich habe die fünf neuen Mitbewohnerinnen am Montag Vormittag abgeholt, vorher war ich 10 Minuten weiter kurz in Norwegen einkaufen, weil dort das Futter günstiger ist. Die jungen Hennen hatten zu diesem Zeitpunkt schon eine weitere Anreise vom Züchter hinter sich. Daheim angekommen habe ich die bisherige Gruppe raus aus dem Stall ins Freigelände gelassen, mit dem vormittäglichen Legen waren sie dann ja fertig, und hab die Tür zugemacht. Daher hatten die Braunen den ersten Tag komplett allein im Stall, waren zunächst ziemlich verschreckt aber haben sich dann langsam erholt.

Abends habe ich dann einen Zaun in den Stall gestellt und oben zur Decke hin mit einem Beerennetz die Trennwand verlängert (genau wie im Außenbereich gegen Raubvögel). Das Ziel war, dass es für die Nacht, wenn die anderen reinkommen, eben doch vorerst zwei separate Bereiche geben sollte. Im Nachhinein ist man immer schlauer: das war keine gute Umsetzung des Plans. Die weißen und der Hahn waren komplett tiefenentspannt, sind wie gewohnt auf ihre Stangen und haben gar nicht daran gedacht irgendwen zu picken. Aber die braunen waren panisch, sind geflattert und an die Fenster geflogen, sogar mit dem Kopf an die Decke geknallt, bis eins schließlich oben auf dem Zaun landen wollte und dort mit den Krallen im Netz hängengeblieben ist. Das hieß, das Netz muss natürlich raus. Ich bin vorsichtig rein, die weißen nach wie vor schon im Halbschlaf, Netz raus. Dadurch sind zwei, drei braune dann oben drüber auf die andere Seite, weiter wild flatternd, aber zumindest war dann ansonsten kein Verletzungsrisiko mehr im Stall. So habe ich sie dann schlafen lassen.

Am nächsten Morgen habe ich schon früh die Klappe aufgemacht, damit die weißen schnell raus können. Sie wollten aber erst in Ruhe legen wie immer und haben sich von den fünf Neuen nicht im Geringsten davon abhalten lassen. Dann waren gegen zehn Uhr vier von ihnen plus Mario (der nicht mehr heiser ist, wie die letzten Tage) draußen, aber eine davon untypischerweise noch im Nest, umzingelt von den fünf Lohmann. Genau so saß sie um 14 Uhr noch immer bewegungslos, aber hat gepickt, als ich sie rausholen wollte (ich hatte eine Verletzung oder sogar einen Herzstillstand durch Stress befürchtet). Kurz darauf ist sie aber auch raus, allen geht’s gut, sogar wieder 5 Eier, die braunen waren tagsüber nochmal komplett drinnen (trotz offener Klappe).

Abends sind die sechs bisherigen dann in den Stall, diesmal ohne Zaun oder sonstige Abtrennung, dafür mit einer zusätzlichen provisorischen Sitzstange auf Bierkästen als Ausweichmöglichkeit. Aber nach einigem Geflatter und Gegacker saßen schlussendlich relativ friedlich fast alle elf auf den beiden bisherigen Sitzstangen zusammen, und so haben sie die zweite gemeinsame Nacht verbracht:

Seitdem laufen die Tage so ab, dass die weißen und der Hahn morgens rausgehen, die Klappe offen bleibt, die braunen aber noch freiwillig im Stall bleiben und ich die Klappe abends schließe, wenn alle drinnen sind. Man bemerkt einen großen Unterschied zwischen den beiden Gruppen, der einerseits durch das Alter ein Stück weit erklärbar ist und zudem vermutlich aber auch damit zu tun hat, dass die weißen Hühner und auch Mario von privaten, liebevollen Haushalten kommen, während die Lohmann-Hennen direkt vom Züchter sind und weder näheren Menschenkontakt kennen noch vermutlich die Freiheit, einfach so in ein Offengehege gehen zu können. Sie lernen es hoffentlich bald zu schätzen!

196) Säubern des Stalls

Da dieser Blog ja inzwischen diverse Zielgruppen hat und neben Familie, Freunden und Bekannten im echten Leben sowie potentiellen und bereits umgezogenen Auswanderern jetzt zum Beispiel auch ein paar Hühnerhalter hier mitlesen (wenn man oben auf die Kategorie „Tierhaltung“ geht, sieht man nur die entsprechenden Beiträge), schreibe ich jetzt kurz über die erste komplette Putz-Aktion des Hühnerstalls. Und da die Themen Auswandern und Selbstversorgung oft zusammenhängen und das jetzt nunmal auch einen größeren Teil meines Alltags ausmacht, finden es vielleicht eh mehrere interessant.

Die Hühner haben heute früh ihre Eier gelegt, um 9 Uhr waren es alle fünf, da habe ich sie dann direkt in den Außenbereich gelassen, worauf sie inzwischen auch immer sofort freudig reagieren und schnell hinaushüpfen. An den elf Tagen, die wir sie bisher haben, haben wir insgesamt 52 Eier bekommen. An Tagen, an denen es weniger als fünf Eier sind, bevor sie hinausdürfen, muss man dann draußen ein bisschen suchen und kontrollieren, ob sie „wild“ eins gelegt haben, anstatt dafür wieder hineinzugehen. Und wenn es mehr als zwei Tage hintereinander weniger als fünf wären, müsste man sie genau im Auge behalten, nicht dass eins eine Eileiterverstopfung hat.

Ich habe die Klappe dann wieder verschlossen, um innen Ruhe zu haben, und zunächst die Kotbretter herausgenommen. Mit einem Schaber habe ich den Dreck abgekratzt und in einer Wanne zur Kompostierung gesammelt. Bretter, Sitzstangen und Leiter habe ich anschließend mit einer Naturseifenlauge geputzt.

Ein richtiges „Vorher“-Bild habe ich nicht, das hier ist von vor ein paar Tagen, aber sie verdrecken das alles schon ordentlich…

Auch die Futtertröge habe ich gereinigt (mit einer anderen Bürste…) und den Wasserspender im Stall an der Decke per Haken aufgehängt. Bisher stand er am Boden, wodurch viel Wasser ausgelaufen ist bzw. verspritzt wurde. Ich hoffe, das wird dadurch jetzt besser. Das Einstreu habe ich nicht komplett erneuert, sondern nur die nassen und dreckigen Stellen entfernt. Am Ende sah es wieder alles ganz gut innen aus:

Bereits übermorgen wird unsere Sechsertruppe eventuell erweitert, da werde ich dann vorher nochmal etwas saubermachen. Und dann natürlich hier darüber berichten, wie die Eingewöhnung funktioniert und ob die neue Hackordnug dann schnell und glimpflich geklärt wird – oder zu Problemen führt. Hoffentlich nicht!

195) Frühlingslauf in Karlstad

Diese Woche fand der „Vårruset“ in Karlstad statt, übersetzt der Frühlingslauf. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltungsserie für Frauen, bei der in verschiedenen schwedischen Städten innerhalb einiger Wochen Lauf-Events ausgetragen werden. Man kann sich im Vorfeld für verschiedene Gruppen anmelden, die dann wenige Minuten nacheinander starten: Zeitnahme mit Chip, zügig Rennen, etwas langsamer Laufen, dann Gehen und zuletzt diejenigen mit Rollstuhl oder Kinderwagen. Die möglichen Strecken waren fünf oder zweieinhalb Kilometer, etwa 7000 Frauen waren in Karlstad anscheinend dabei. Vor dem Start gab es eine gemeinsame Aufwärm-Party mit DJ:

Ich bin mit vier weiteren Frauen aus meinem Sportverein hingefahren. Wenn man ein Fünfer-Team anmeldet, kommt man zudem in den Genuss eines von Sponsoren zusammengestellten Picknickkorbs nach dem Zieleinlauf, so dass wir anschließend zur wohlverdienten Fika in der Sonne sitzen konnten. Das Wetter hat wunderbar mitgespielt:

Seit der Auswanderung kann ich leider nicht mehr dabei sein, aber wie jedes Jahr seit 20 Jahren findet auch dieses Jahr wieder am mittleren Wiesn-Sonntag Ende September der wohltätige Monopteroslauf in München statt, den mein Vater organisiert. Hier sind weitere Infos dazu:

194) Tag im Hühnerleben

Maaann, wo bleibt die denn. Schon kurz nach 7 und immer noch kein Frühstück. Toller Start in den Tag. Da wird man seit Sonnenaufgang – also momentan um 4 Uhr früh – angekräht, und dann muss man sich hier stundenlang mit picken und gucken und scharren im Stall die Zeit vertreiben. Manchmal werfen wir aus Protest dann auch einfach den Futtertrog um und verspritzen das Wasser im Einstreu… Das Nest ist auch besetzt, da hockt die Rosalina, dabei muss ich auch schon ganz dringend…

Aaah, endlich hör ich was. Gleichmal lauthals gackern, dann beeilt die sich. Jetzt mischt sie uns das Frühstück zusammen und kommt gleich rein. Da redet sie dann immer schon von vor der Tür mit uns, damit wir nicht denken, sie sei ein Raubtier… Aber nein, es ist die Futterbringerin! Endlich! Wieder nicht verhungert! Sie stellt uns den Trog hinein und schnappt sich dafür den Wasserspender, aber der kommt erfahrungsgemäß bald darauf voll wieder zurück hinein.

Jetzt ist natürlich die Hierarchie in unserer Sechsergruppe wichtig… wer darf zuerst ans Essen? Wir tun mal so, als sei der dicke Mario hier der Chef und lassen ihm den Vortritt, aber nach ein paar Happen erobern wir Mädels uns die besten Plätze. Nur Rosalina besetzt immernoch das Nest… ich muss mal!!

Puh, jetzt ist sie fertig. Neben dem falschen Ei (die Futtergeberin denkt, wir checken nicht, dass es nur eine Attrappe ist…) liegen schon vier weitere Eier von meinen Schwestern fein säuberlich im Legenest. Da mach ichs mir doch gleich mal gemütlich…

Eine Zeit später hören wir wieder was. In dem Bereich vor dem Fenster wird herumrumort. Ich vermute, die Futtergeberin füllt dort den Spender auf und entfernt unsere gestern mühsam ausgegrabenen Schätze. Glasscherben, Tonstücke, Plastikteile, Metall… wir finden alles!

Uiii, jetzt wirds spannend. Die Futtergeberin und die Außenaufräumerin ist nämlich auch die Fensteröffnerin… juhu, Freiheit! Aber schön der Reihe nach. Wer traut sich zuerst auf die Leiter? Rosalina natürlich. Na dann mach ich mich auch mal auf den Weg und lass die Fensteröffnerin ihren weiteren Job erledigen, sie ist nämlich auch die Eierabholerin. Da schau, ganz sauber und mit ganz harter Schale! Extra für euch!

Dann beginnt ein harter Arbeitstag im Außenbereich. Scharren, gackern, von Mario angebrüllt werden, Scherben ausbuddeln, Insekten futtern, Blätter zupfen, staubbaden… man hat so viel zu tun! Ui, da kommt der Leckerlireinwerfer! Was ist es diesmal, geraspelte Karotten für noch farbigeres Eigelb? Grasschnitt vom Rasenmähen? Essensreste und Küchenabfälle…?

So vergeht der Tag und das auch Abendessen ist hervorragend, ein toller Matsch aus Kernen und Kraftfutter… Es dämmert langsam gegen 21 Uhr, bald geht die Sonne unter… ab nach oben, sagen uns unsere Instinkte! Ich persönlich bin ja sehr schlau und weiß eigentlich, dass unsere Einsperrerin will, dass wir uns innen auf die Sitzstangen hocken sollen zum Schlafen. Aber das hat die Stallbauerin nicht bedacht, dass die Stangen niedriger sind als das Fenster. Deswegen pflanzen sich gewisse Personen (hust… Rosalina… hust… Mario) jetzt manchmal ins Fenster und müssen von der Einsperrerin erst noch geduldig überzeugt werden, sich doch bitte ins Innere des Stalls zu begeben. Na endlich… Sie schließt die Klappe und dann müssen wir uns jetzt nur noch einigen, wer wo sitzt, und dann heißt es gute Nacht und bis morgen!