Durch eine Nachfrage schreibe ich jetzt mal einen Beitrag, der weniger davon handelt, WAS wir hier machen, sondern wie es mir mit all dem so geht, was wir hier machen. Insgesamt möchte ich vorwegnehmen: Ich fühle mich sehr wohl und ich hatte keinen Moment, in dem ich die Entscheidung nicht gut fand. Ich habe hier Ruhe und Klarheit im Kopf in einem Ausmaß, das ich davor gar nicht kannte. Nicht konstant jede Minute bisher, aber sehr deutlich spürbar. Auf die ganzen vielen Bereiche, die mich hier mit Freude und Vorfreude erfüllen (täglich wilde Tiere sehen, Sonnenauf- und -untergänge, kilometerlange Spaziergänge ohne jemandem zu begegnen, irgendwann selbst Gemüse anbauen…) gehe ich jetzt erstmal nicht weiter ein, sondern konzentriere mich auf die Komfortzonen, die ich durch den Umzug verlassen habe bzw. die hier verändert wurden. In vielerlei Hinsicht ist es jetzt ja bewusst „unbequemer“ als vorher.
- Menschen: der größte und wichtigste Komfort, den ich auch mit Abstand am meisten vermisse, sind meine Familie und meine Freunde. Das ist durch nichts ersetzbar, und zum Glück kann man telefonieren und schreiben. Um Leute hier kennenzulernen, werde ich mit der Schüchternheit konfrontiert, einfach jemanden anzusprechen und offen für neue Bekanntschaften zu sein. Auch das ist außerhalb meiner Komfortzone.
- Haushalt: Hier fällt mir das Abspülen per Hand am meisten auf, weil eine Spülmaschine, die wir nicht haben, großen Komfort bedeutet. Andere bisherige Tätigkeiten waren auch außerhalb meines gewohnten Bereichs: das erste mal Feuer im Ofen im Haus machen, handwerkliche Arbeiten wie den Briefkasten zu montieren. Aber das macht mir gleichzeitig auch sehr viel Spaß.
- Temperatur: Wir heizen aktuell nur das Haupthaus mit dem Feuerholz im Ofen, auf dem wir gleichzeitig kochen. In meiner Hütte hat es 12°C, das ist an sich auch ein Komfort-Verlust, aber ich könnte die Elektro-Heizung anmachen, wenn ich es wärmer will. Auch den Boiler könnten wir anschalten, um warm duschen zu können. Bisher ist es eine bewusste Entscheidung – mal sehen, wie es im Winter wird.

- Kleidung: damit meine ich, dass meine Komfortzone bzw. das täglich Bekannte das war, wie ich mich als Lehrerin anziehe. Damit komme ich hier nicht weit. Hier geht es darum, dass die Kleidung warm und praktisch ist, und dass es in Summe nicht zu viel ist (begrenzter Platz im Schrank). Ich werde noch einiges aussortieren von meinen ganzen Pullis, Schuhen und Kleidern. Ein paar Outfits für die „Stadt“ reichen vollkommen. Gleichzeitig will ich aber ja auch hier am Grundstück nicht immer nur in Gummistiefeln, Arbeitshose und Oversize-Pulli rumlaufen…
- Beruflich: meine bisherige Komfortzone ist „fest angestellt als Lehrerin“. Da weiß ich, dass ich das kann (oder gibt es Einwände von ehemaligen SchülerInnen? 🙂 ), und da kommt jeden Monat ein vorhersehbarer Betrag Geld rein. Jetzt bin ich selbständig und auch auf Arbeitssuche hier (das wird relativ schnell gehen, weil alle sagen, wie sehr Lehrer gesucht werden). Aber als was genau ich dann arbeiten werde und für wieviel Geld, und auch der Aufbau meiner Selbständigkeit ist mir nicht vertraut und deshalb zunächst außerhalb meiner Komfortzone.
- Sprache: Auf Englisch zu kommunizieren fällt mir leicht, nur ungewohnt ist es trotzdem. Schwedisch ist an sich nicht schwer, aber richtig lernen geht besser im Kurs als per App, und der beginnt voraussichtlich erst in ein paar Monaten, da die Warteliste lang ist.
- Finanzen: auch wenn es hier in der Dimension nicht vergleichbar ist mit München, bedeutet der Grundstücks-Kauf trotzdem das Hantieren mit für mich großen Beträgen und das Treffen von wichtigen und teuren Entscheidungen, was man anschafft (auch das Auto zum Beispiel). Derartige Investitionen hatte ich bisher nie, daher ist das neu und ungewohnt.
- Alltag: wir haben hier zwar auch einen Fernseher, der war aber noch nie an. Abends spielen wir manchmal was, das ist auch eine (schöne) Veränderung. Das Internet funktioniert inzwischen mit Router zumindest ok. Andere Bequemlichkeiten fallen weg: kurz noch was um die Ecke einkaufen, mal Essen liefern lassen etc. geht hier nicht, das ist aber vollkommen in Ordnung so. EDIT: Und es ist unkomfortabler als gewohnt, dass man, wenn man zum Beispiel kurz während des Abendessens auf die Toilette muss, dafür Schuhe, Jacke und Taschenlampe braucht 😀
Fragt gerne weiter alles, was euch interessiert. Bis dann!
sandrasverige@gmx.de








