Letztes Jahr waren wir in den Osterferien in Schweden, und überall waren die bunten Federn zu sehen, mit denen hier die Büsche zu Ostern geschmückt werden.
Seitdem ist viel passiert… Von den Hausbesichtigungen in Dalarna zum Kauf der Hütten im Värmland, über den Urlaub im August und dann den Einzug, über die Herbst- und Winterzeit bis hin zum Umzug auf das zweite Grundstück und zur neuen Arbeitsstelle. Manchmal fühlt es sich für mich an, als müsste alles eigentlich schneller gehen und besser funktionieren, und in manchen Bereichen stimmt das auch, aber insgesamt läuft es wirklich gut.
In den letzten drei Tagen hat mein Mann mit der nagelneuen Axt fast den gesamten Holzvorrat aus unserem Grundstück, den ich in einem der letzten Beiträge beschrieben hatte, gespalten und in einem unserer Schuppen an der Wand aufgestapelt. Es ist dort luftig, überdacht und nachmittags sonnig, daher wird es gut trocknen. Das ist das erste eigene, selbst „produzierte“ Holz, das dann voraussichtlich im übernächsten Winter zum Kochen und Heizen verwendet wird. Irgendwann werden wir dafür auch Bäume aus unserem Wald fällen, aber das ist aktuell noch gar nicht notwendig!
Durch ein paar Fragen eurerseits ergänze ich den letzten Beitrag über die Arbeit im Supermarkt noch kurz um folgende Punkte:
Was sind die am meisten gekauften Produkte? Ich würde sagen: Brot, Süßigkeiten und Fleisch. Und die 3×24 Dosen Pepsi Max, ohne die fast niemand den Laden verlässt.
Bezahlt noch jemand mit Bargeld oder alle mit Karte? Ungefähr einmal pro Stunde zahlt jemand bar, meistens Kinder. Aber die auch teilweise mit Karte.
Was kann man sonst noch tun, um ein „guter“ Kunde zu sein? Flaschen hinlegen, damit sie nicht umfallen, und den Pfandzettel nicht aufs Band legen, sonst wird er in den Zwischenraum gezogen.
Wie viel kostet das Mehl momentan? Die 2 kg Packung Weizenmehl kostet umgerechnet heute hier 1,35 €. Hier sind weitere Produkte zum Vergleich:
5 kg Weizenmehl für 3,09 €500 g Butter für 4,34 €12 kg Zucker für 9,56 €15 kg Hundefutter für 19,22 €
Seit ungefähr einem Monat arbeite ich im Supermarkt. Dazu möchte ich jetzt mal hier etwas mehr schreiben. Ich finde es interessant, den Ablauf an der Kasse aus der anderen Perspektive zu sehen, als man ihn sonst ja im Alltag wahrnimmt. Hier ist erstmal eine Bildergalerie mit den aktuellen Preisen einiger Produkte zum Vergleich mit Deutschland (10 SEK sind heute 0,97 €). Und es könnte auch interessant sein, in ein paar Monaten die Preisentwicklung zu sehen.
Ich hätte nicht gedacht, dass es körperlich so belastend werden würde. Diese Woche arbeite ich, wie fast alle Kollegen, jeden Tag. Es sind Osterferien in Norwegen, daher ist hier an der Grenze so viel los. Alle 20 Kassen sind fast durchgehend offen, mit Schlangen bis weit in den Laden hinein jeweils. Die Geräuschkulisse mit dem Piepen überall ist ziemlich anstrengend, und auch muskulär spüre ich es deutlich, weil wir vor allem Großpackungen verkaufen und man jede Ware, wenn auch nur kurz, anheben und über den Laser bewegen muss. 12 kg Zucker, 5 kg Mehl, 8 kg Waschmittel… Eigentlich wäre es bei den meisten großen Sachen nicht notwendig, sie aufs Band zu stellen, weil ich sie auch über den Bildschirm eingeben könnte. Deswegen versuche ich, während ich den einen Kunden bediene, schon ein Auge darauf zu haben, was der dahinter macht. Aber so schnell kann ich gar nicht schauen, steht die nächste 15 kg Packung Katzenstreu da…
Manche Kunden stellen die Sachen ordentlich aufs Band und die Barcodes zeigen nach vorne zum Laser. Man macht mit dem Handgelenk sonst immer die gleiche kleine Drehung. Wenn man nach der Pause an einer Kasse arbeitet, in der es nicht in die andere Richtung geht als davor, kann das auf Dauer ziemlich unangenehm werden. Ein anderer Tipp für „gute“ Kunden wäre, nichts Zerquetschbares ganz vorne hinzustellen, sondern zb. das Toilettenpapier als Knautschzone am Ende des Bandes…
Im Vergleich zum Lehrberuf ist auch die Präsenz und die Kommunikation nochmal höher. Während man in der Schule mal kurz allein am Kopierer steht, Stillarbeit machen lässt oder eine Freistunde hat, vergeht an der Kasse keine Minute, in der man nicht redet (wir haben zB. zwei EC-Geräte und fragen immer, ob man in schwedischen oder norwegischen Kronen zahlen will) oder in der kein Kunde da steht. Wenn weniger los ist, werden einfach andere Kassen geschlossen (die Kollegen sortieren dann Regale, ich noch nicht). Dadurch gibt es bis kurz vor Ladenschluss um 22 Uhr eigentlich meistens keine „freie“ Minute. Nach ca. zweieinhalb Stunden hat man jeweils eine Pause. Dann sitze ich oben im Aufenthaltsraum und muss mich entscheiden, ob ich auch hier weiter sprechen will und mit Kollegen rede (das ist auf schwedisch noch nicht entspannend für mich, sondern verlangt ebenfalls Konzentration), oder ich einfach nur da sitze. Das machen aber viele.
Wenn man den Vergleich mit der Schule weiterführen will, ist ein großer Vorteil jetzt natürlich, dass man daheim nichts für die Arbeit vor- oder nachbereitet. Und selbstverständlich die schicke Arbeitskleidung… 😉 Man kann an der Kasse sitzen oder stehen, aber im Sitzen ist es für die Arme noch anstrengender. Deswegen trage ich für das lange Stehen zusätzlich zu der Arbeitshose und dem Hemd die Thrombosesocken. Außerdem auch Einmal-Handschuhe, obwohl die Hände sich danach unangenehm anfühlen, aber die Handschuhe sind nach zweieinhalb Stunden so dreckig, dass man sie trotzdem lieber trägt…
Etwa drei Kunden am Tag tragen Masken. Da verstehe ich leider noch extrem wenig, wenn ich nicht die Mundbewegungen sehen kann. Ich kann mir gut vorstellen, wie es allen nicht-muttersprachlichen Mitarbeitern in Deutschland in den letzten zwei Jahren ging. Man fühlt sich ziemlich hilflos. Auch kurze Informationen von Kollegen würden dann oft unter den Tisch fallen. Zum Beispiel, dass Pastinaken auf Schwedisch „Palsternacka“ mit „L“ heißen, und ich sie deshalb natürlich mit den ersten paar Buchstaben nicht im System finde. Ein Kunde hat gestern etwas gesagt und ich musste mehrmals nachfragen, bis er genervt die Maske runtergezogen hat und mir nur frohe Ostern wünschen wollte.
Cool zu sehen ist das Teamwork in manchen Familien. Viele kommen einmal im Monat zum Einkaufen nach Schweden und machen dann riesige Großeinkäufe. Wenn einer die Waren auf das Band legt (am besten auch noch ordentlich…) und andere auf der anderen Seite top vorbereitet mit Tüten warten. Einer nimmt alle gefrorenen Sachen in die Kühltasche, einer den Rest… da macht man sich keine Sorgen, dass was kaputt geht und man einen geplatzten Joghurt, Chips oder Mehl wegputzen muss. Auch kleine Kinder machen da teilweise echt hilfreich mit.
Heute stand als Dankeschön im Aufenthaltsraum für alle eine große Prinsesstårta mit „Bra jobbat! Glad Påsk!“
Das Osterwochenende hab ich frei, und danach geht es „normal“ an drei oder vier Tagen die Woche weiter (es ist auch sonntags geöffnet, am Wochenende mit Kinderschminken und Probierständen). Der nächste solche Marathon kommt dann wahrscheinlich vor Midsommar…
In den letzten Tagen hat es nochmal viel geschneit, aber das wird sicher bald wieder wegtauen… Heute auf dem Heimweg von der Arbeit hab ich zwei Elche vom Auto aus ganz nah an der Straße auf den weißen Feldern gesehen. Es war das erste mal seit über drei Monaten, welche zu sehen. Einer der Jäger aus unserem Verein hat letztens gesagt, es gäbe dieses Jahr in unserer Gegend sehr wenige, weil die Wölfe so viele Jungtiere reißen. Hier ist das Video von vorhin:
Ansonsten hab ich vor ein paar Tagen das Vogelhaus montiert, das wir von einer Nachbarin zu Weihnachten geschenkt bekommen hatten, und die Gemüsepflanzen wachsen auf der Fensterbank gut vor sich hin. Andere Tätigkeiten an den Grundstücken sind aktuell zum Beispiel das Spalten und Stapeln der Holzvorräte zum Trocknen für den nächsten bzw. übernächsten Winter. Im Garten lagen einige große Stücke, als wir eingezogen sind, die mein Mann jetzt nach und nach zerkleinert, sobald sie nicht mehr am Boden festgefroren sind. Es liegen auch noch einige komplette Stämme dort, sowie auf unserem ursprünglichen Grundstück.
Da lag kein Schnee…Holzvorräte in Schuppen und Garten
PS. Auf Nachfrage: Nichts aus meinem vorherigen Beitrag hier war ein Aprilscherz, mir war gar nicht aufgefallen, an welchem Datum ich ihn geschrieben hatte…
Die oberen drei Fotos zeigen der Reihe nach die Entstehung eines weiteren Hügelbeetes, das mein Mann in den letzten Tagen angelegt hat (so wie bereits auf unserem anderen Grundstück in Beitrag 28). Wir konnten den restlichen Pferdemist und auch die übrige Erde von der Einfahrt teilweise wiederverwenden, aber der Boden war noch ziemlich gefroren. Weiterhin haben wir inzwischen bei einem der Obstbäume zwei nach oben stehende Zweige zur Seite abgebunden, damit daraus fruchttragende Äste werden, das ist das Bild unten links. Und unten rechts ist ein Elch-Schädel mit meinen Schuhen zum Größenvergleich zu sehen, den wir im Wald beim Spaziergang gesehen haben…
Die Arbeit im Supermarkt läuft gut und der Kurs SFI D hat auch schon angefangen. Mir wurde in der Arbeit gesagt, dass mein Schwedisch – warum auch immer – einen dänischen Akzent hätte… Und noch eine lustige Situation gab es letztens: Ich habe mich in der Pause mit zwei Kolleginnen unterhalten. Nach fünf Minuten fragt mich die eine, ob ich die andere überhaupt verstehe, weil sie doch Norwegisch spricht. Mir war das aber überhaupt nicht aufgefallen. Anscheinend verstehe ich bei beiden Sprachen zwar genug für normale Gespräche und fülle das, was ich nicht verstehe, in Gedanken auf, aber ich kann sie nicht wirklich auseinanderhalten…
Der Frühling kommt deutlich näher, auch wenn es diese Woche relativ kalt ist und nachts bis zu minus 10 Grad hat. Es ist sehr trocken und auch kein Niederschlag angekündigt. Und es geht sehr schnell, dass die Tage spürbar länger hell sind… Das sind die aktuellen Updates!