90) Beste Gäste

Es ist eine neue Erfahrung für uns, Gastgeber zu sein. Insgesamt vermieten wir die Hütten seit Mai, die meisten Gäste waren im Juni und Juli da, inzwischen werden die Buchungen für das Jahr wesentlich weniger. Viele waren für ein, zwei Nächte während Roadtrips hier, beispielsweise auf der Durchreise zwischen Nord- und Südschweden oder von Oslo nach Stockholm, manche aber auch bis zu einer Woche. Die meisten kamen, glaube ich, aus Norwegen und Norddeutschland. Ein paar waren zum Angeln da, zum Arbeiten oder für Hausbesichtigungen, viele zum Wandern im Glaskogen… und das Gästebuch hat mehrere sehr nette Einträge bekommen 🙂

Einige habe ich persönlich kennengelernt, sei es beim Check-In, zwischendurch zum Gießen der Beete oder am Ende bei der Abholung der zu waschenden Wäsche, wenn ich das übernommen habe. Es waren sehr oft wirklich tolle und interessante Begegnungen.

Was ich dadurch über mich selbst gelernt habe ist, dass ich drüben mehr auf Sauberkeit achte als in unserem Haus. Es darf nicht der Fall eintreten, dass es nicht tip top ist und die nächsten Gäste das in unsere Seite auf AirBnB als öffentliche Bewertung schreiben. Das zu Lesen wäre wahrscheinlich auch für mich ein Grund, eine Unterkunft im Urlaub nicht zu buchen, ist sie auch noch so billig.

Das führt natürlich zu gewissen Konfliktsituationen, wenn abreisende Gäste entweder nicht in der Lage sind ordentlich zu putzen, oder es nicht ernst nehmen und denken „Das wird schon so passen“. Und wie gesagt, diesen Gedanken kenne ich von mir selbst, werde ihn aber 100% nie wieder in etwaigen Ferienwohnungen haben.

Man hat dann ja mehrere Möglichkeiten, aber optimal erscheint keine: man kann eine Pauschale einführen und selbst putzen (auf die Gefahr hin, dass es dann öfter WIRKLICH dreckig hinterlassen wird, weil die Leute ja dafür zahlen), man kann ankündigen jeden Gast beim Check-Out zu kontrollieren – organisatorisch schwierig, denn manchmal fahren sie schon sehr früh. Und was, wenn es nicht sauber ist? Zum Nacharbeiten verdonnern oder eine zusätzliche Putz-Rechnung nachträglich schicken, die genauso ignoriert werden kann? Aktuell haben wir einfach eine Checkliste, um deren Erledigung wir bitten. Manche machen das auf mehr als hervorragende Weise (viele Grüße…), andere beziehen es anscheinend nicht wirklich auf sich, dass z.B. tatsächlich bitte in allen Räumen staubgesaugt werden soll…

Die meisten Erfahrungen waren aber wirklich gut, das soll hier jetzt nicht negativ klingen. Meistens sind noch ungefähr 15 Minuten Arbeit nötig, das ist für uns voll ok. Nur manchmal, wenn wirklich noch eine Stunde etwas zu tun ist, ärgert es uns natürlich irgendwie. Aber das war nicht oft!

Wir haben jedenfalls in unserer ersten Saison viel gelernt und werden ein paar Änderungen nächstes Jahr umsetzen, aber insgesamt ist das einfach super, diese Einnahmen und Erlebnisse zu haben. Der Hügel, der aus der ausgehobenen Erde vom Bau der Einfahrt (Beitrag 22) besteht, ist dank bienenfreundlicher Saatmischung und fleißigem Bewässern momentan sehr hübsch mit Blumen bewachsen:

Und falls es irgendwann die Option bei AirBnB gäbe, einen Betrag als Putz-Pfand direkt mit der Buchung zu erheben, den der Reisende sofort zurückbekommt, sobald man anklickt, dass man nach seiner Abfahrt mit der Sauberkeit zufrieden war, wäre das vermutlich die beste Lösung… Ehrliche Gastgeber vorausgesetzt natürlich.

89) Erster Bulle

Gerade habe ich auf dem Rückweg von den Pferden das erste Mal einen jungen Elchbullen mit kleinem Geweih gesehen. Er stand nicht weit von der Straße auf freiem Feld, was mich gegen 11 Uhr mittags wirklich überrascht hat.

Ansonsten geht hier alles seinen Gang. Mit den Beeten und Hügelbeeten sind wir doch zufriedener als gedacht, denn bis vor Kurzem sah es aus, als würden sie nicht wirklich funktionieren. Aber jetzt wächst doch eigentlich fast alles sehr gut.

Nach der Arbeit war ich gestern Abend in einem See auf dem Heimweg schwimmen, das ist ein schöner Abschluss des Tages, um das Piepsen von der Supermarktkasse wieder aus dem Kopf zu bekommen und die Natur wahrzunehmen. Das Wasser war wärmer als ich dachte…

88) Zwei Apfeldiebe

Gestern Abend bin ich gegen 23 Uhr heimgekommen, habe das Auto wie üblich in der Einfahrt geparkt, es ausgeschaltet und bin aber noch drin sitzengeblieben, um ein paar Minuten Stille zu haben.

Plötzlich höre ich es rechts neben mir zwischen Beifahrertür und Apfelbaum rascheln. Ich sehe im Dunkeln ein Reh, das die Äpfel am Boden frisst. Wir hatten das schon vermutet, dass die nachts kommen, und mir war klar, dass ich es vertreiben sollte, damit es sich nicht daran gewöhnt in unserem Garten zu sein und vielleicht auch in den Beeten zu fressen, aber es war auch cool, es zu beobachten. Im Haus links von mir war es hell, im Auto dunkel, deswegen konnte ich es gut sehen aber es mich nicht.

Es hat in Ruhe gefressen, sich umgedreht… und ich dachte mir: „Ganz schön dick für ein Reh“. Nächster Gedanke war: „Könnte fast ein Elchkalb sein“. Tatsächlich. Dann der Gedanke: „Wenn das ein Elchkalb ist, muss hier irgendwo ja auch die Mutter sein“… und in dem Moment kommt von hinten am Beifahrerfenster vorbei eine riesige Elchkuh, ihr Bauch auf meiner Augenhöhe, schaut entspannt ins Auto, trottet weiter… Der Kopf mindestens so groß wie von einem wirklich großen Pferd.

Ich bin sehr erschrocken, aber es war echt toll. Ich hab sie beide einige Minuten lang immer wieder gesehen, teilweise waren sie hinter mir, teilweise weiter weg im Dunkeln. Als ich ausgestiegen bin, hab ich sie weiter vorne aus dem Garten rauslaufen gehört.

Für „gute“ Fotos oder Videos gab es durch die Dunkelheit keine Möglichkeit, deswegen hier eine Rekonstruktion der Szene:

Es hat sich aufregend und ursprünglich angefühlt, kurzzeitig so zu erschrecken mit Herzklopfen, Zittern, Adrenalin. Man lebt (zum Glück) in so einer sicheren Umgebung, dass das richtig gut getan hat. Und an der Situation war ja nichts Gefährliches, ich saß einfach nur im Auto einen Meter von einem ausgewachsenen Elch entfernt, das war einfach toll…

87) Wir grillen

Gestern Abend haben wir unseren neuen Kugelgrill zum zweiten Mal benutzt und es uns auf der mit am Geländer kletternden Bohnen bewachsenen Terrasse gemütlich gemacht. Tagsüber hatte sich mein Mann unter anderem um die Weiterverarbeitung der vorgestern gesägten Holzstücke gekümmert, und ich habe Himbeeren geerntet:

Typisch schwedisches Grillen besteht, so wie wir es hier kennengelernt haben, vorwiegend eher nicht aus Fleisch sondern aus Würsten, die an Spießen über die Glut gehalten, in Hotdog-Brötchen gelegt und mit Ketchup und Röstzwiebeln gegessen werden. Bei uns gab es gestern zusätzlich einen Beilagensalat, bei dem alle Zutaten aus unserem Garten kamen: Tomaten, Gurken, Frühlingszwiebeln und eine kleine Zucchini.

Der Tisch wurde nach dem Essen zur Seite gestellt und der Grill zu seinem Zweitjob als Feuerschale umfunktioniert, und am Lagerfeuer haben wir den Abend ausklingen lassen.

Hier sind noch ein paar Impressionen, die der Gast vor ein paar Wochen uns von seinem Aufenthalt in unseren Hütten geschickt hat (nochmal Danke)!

86) Ein Jahr

Genau heute vor einem Jahr, am 8. August 2021, haben wir sehr früh morgens die Reise mit dem vollgepackten, nagelneuen Auto von München nach Rostock angetreten, haben auf der Fähre übernachtet und sind nach Schweden eingereist (Beitrag 1)… Und ich habe das erste mal hier auf der Seite etwas geschrieben. Letzte Woche kam in der App diese Benachrichtigung:

Viele der Artikel liegen mir sehr am Herzen und sind richtig schöne Erinnerungen (z.B. Elchjagd, Polarlichter…). Manchmal scrolle ich einfach durch die Übersichts-Seite und les ein bisschen. Es hat sich so viel getan in den letzten zwölf Monaten, und es geht mir wirklich gut. Manchmal wirkt es, als sollte alles noch besser und schneller gehen (z.B. Selbständigkeit), und bei manchen Themen ist das auch so, aber insgesamt passt es. Andere Entwicklungen laufen dafür fast besser als erwartet (z.B. Schwedisch sprechen oder die Vermietung der Hütten). Manche Gegenstände weiß ich erst jetzt viel mehr zu schätzen, wo ich sie nicht mehr habe, obwohl ich sie in München kaum richtig wahrgenommen habe (z.B. Spülmaschine). Bei anderen Sachen wusste ich, wie toll es hier werden würde, und genau so ist es auch gekommen (z.B. das erste mal seit dem Auszug von Daheim vor zehn Jahren wieder einen eigenen Garten zu haben). Von manchen Gedanken war ich vor dem Umzug komplett überzeugt, aber sie haben sich als nicht zutreffend herausgestellt (z.B. „Ich muss hier sofort wieder an einer Schule arbeiten, um glücklich zu werden“). Manche Kontakte haben sich im letzten Jahr vertieft, ein paar neue sind dazugekommen. Einige sind durch den Umzug weniger geworden, bei vielen davon finde ich das schade. Alle möglichen Tätigkeiten habe ich hier zum ersten Mal in meinem Leben gemacht, einige am Anfang nicht besonders gut, manche haben sich im Lauf der Zeit schon ein Stück verbessert. Andere Hobbys habe ich nach 15 Jahren hier wieder entdeckt und bin sehr froh darüber (Pferde).

An manchen Tagen ist das Heimweh sehr groß. Nie in dem Sinn, dass ich den Umzug bereue. Sondern einfach, dass ich mich sehr freue, mit jemandem zu telefonieren und natürlich jedes mal darauf, wieder nach München zu kommen. Und auch darauf, dann wieder hierher zurückzukehren.

Den heutigen Tag haben wir damit verbracht, die ca. 12 bisher auf unserem jetzigen Grundstück liegenden Baumstämme mit der Kettensäge zu zerkleinern. Mein Mann wird die Teile dann spalten und stapeln. Der Holzvorrat für den Ofen und die Heizung im nächsten langen, kalten, dunklen Winter wächst. Ich denke, jetzt, wo ich weiß, wie schön warm Frühling und Sommer auch hier sind, werde ich den Winter vielleicht mehr genießen können als letztes Jahr (genießen klingt schöner als „ertragen“…).

Ich werde weiterhin hier alles schreiben, was mir interessant erscheint oder worüber es mir einfach Spaß macht zu erzählen. Ich freue mich über Nachrichten dazu, was ihr spannend zu Lesen fändet: sandrasverige@gmx.de