95) Der Spätsommer

Geerntete Bohnen, Gurken und Zucchini
Sonnenaufgang über dem Grundstück
Erste Sonnenstrahlen auf das Beet
Spinnweben im Morgentau
Sonnenuntergang von den Hütten aus
Waldspaziergang mit Ray

Die Bäume verfärben sich langsam, nachts hatte es vor ein paar Tagen schon Null Grad. Man sieht abends wieder Sterne, weil es dunkel genug ist. In der Früh liegt Nebel über den Feldern und die Luft ist sehr angenehm kühl und frisch. Es gibt viele Pilze und Beeren zum Einkochen, Einfrieren etc… Mal sehen, wann wir unsere Heizung für warmes Wasser wieder anschalten, und wann das erste Mal der Holzofen angezündet wird!

94) Verschiedene Kunden

Meine Beobachtungen an der Supermarktkasse…

  • Die Vergesslichen: Sprinten nochmal los, um eine Milch zu holen, wenn ihre restlichen Sachen schon auf dem Band sind. Und lassen am Ende die Kaugummis liegen, die hinten knapp unter die Abdeckung gerutscht sind und die ich dann später in die Liste im Ordner mit den vergessenen, bezahlten Waren eintrage.
  • Die Unaufmerksamen: Legen alles aufs Band und denken, damit ist die Sache erstmal erledigt. Ums Einpacken kann man sich ja irgendwann dann später kümmern, erstmal bisschen aufs Handy schauen.
  • Die Kollegen: Tragen einen Pulli über ihrer Dienstkleidung, kaufen eine Cola und eine Packung Fertigessen und schauen einen fragend an, ob man ihre Kundennummer für den Mitarbeiterrabatt schon auswendig weiß. Geben einem danach ihren Kassenzettel zur Unterschrift und gehen wieder zurück in den Laden, statt aus ihm hinaus.
  • Die Gesprächigen: Genießen die Gelegenheit für ein Pläuschchen. Je nach Ausprägung des norwegischen oder värmländischen Dialekts mehr oder weniger erfolgreich, in meinem Fall.
  • Die Verunsicherten: Erschrecken bei der Frage, ob sie mit SEK oder NOK bezahlen wollen. Erschrecken noch mehr, wenn sie schließlich zögerlich „Norwegisch“ sagen und ein anderer Kunde daraufhin hektisch „Schwedisch!! IMMER Landeswährung!!“ ruft.
  • Die Sparfüchse: Sind daran zu erkennen, dass jeder Artikel einen reduzierten Preis, ein kurzes MHD, ein Sonderangebot oder einen Kupongcode hat, mit dem es günstiger wird. Kaufen das Brot der Woche, auch wenn es nicht ihre Lieblingssorte ist, und würden auch nie nur zwei Mozzarella nehmen, wenn es für drei einen Extrapreis gibt.
  • Die Nachteulen: Kommen um 21:57 Uhr gemütlich mit zwei vollen Einkaufswägen an die Kasse geschlendert.
  • Die Misstrauischen: Stellen sich (statt zu packen…) an den Bildschirm und kontrollieren, was ich eingebe. Sagen mir auch den Preis der Ware, bevor ich sie eingescannt habe. „Das kostet 49!“
  • Die Faulen: Geben mir eine gefrorene oder gekühlte Ware in die Hand und sagen, die möchten sie nicht. Anstatt sie selbst zurückzubringen. Was soll ich denn hier an der Kasse damit. Einen Kollegen aus dem Lager anrufen, der kommen und es dann holen muss, falls er überhaupt ans Telefon geht… Sie sind aber meistens eher nur unachtsam als faul und bringen auf freundliche Nachfrage hin die Sachen dann doch selbst zurück.
  • Die Hellseher: Manche Menschen können hellsehen und denken, dass ich das auch kann. Anders kann ich mir ihre große Überraschung nicht erklären, wenn sie keine Abtrennung zwischen sich und den folgenden Kunden legen und ich dann nicht weiß, wo die Grenze ist…
  • Die Eingespielten: Treten im Team auf, einer packt aus, einer ist top vorbereitet mit Taschen und packt im gleichen Tempo ein, piep piep piep, wir sind im Flow, nichts kann kaputt gehen. Ein Traum…
  • Die Deutschen: Erkenne ich zum Beispiel am „Sach ma brauchen wir noch ne Tüüte?!“, und dann freuen sie sich, wenn wir uns kurz unterhalten können.
  • Die Architekten: Errichten kunstvolle Türme aus Flaschen, Dosen und Kartons. Je nach Fertigkeit fallen die Bauwerke beim Anfahren und Stoppen des Bandes komplett in sich zusammen, oder nicht. Meistens eher schon.
  • Die Steithähne: Argumentieren lautstark lachend, wer den anderen auf den Einkauf einladen darf. Beide strecken mir ihre Karte entgegen. Da kommt es sehr auf meine in Beitrag Nummer 93 erwähnte Stimmung an, ob ich es lustig finde und ihnen zum Beispiel Fli Fla Flu (oder schwedisch „Sten, sax, påse“) vorschlage, oder sie nur genervt anschaue.
  • Die Sammler: Lösen eine Hand voll Pfandzettel ein, oft wirklich hohe Beträge, und kaufen dann nicht selten auch genau zu diesem Preis passend ein.
  • Die Jugendlichen: Kommen gegen 16 Uhr nach der Schule. Vier aus der Fünfergruppe kaufen Cola und Süßigkeiten, einer zeigt stolz seine ID vor und kauft drei Kisten Bier für sich selbst.
  • Die Übermotivierten: Stellen ausnahmslos alles auf das arme Förderband, inklusive mehrstöckiger Getränkepaletten und Großpackungen etc… Wissen nicht, dass wir dafür eine PLU (heißt das auf deutsch auch so?) im System haben, so dass sie ihren 15 Kilo Sack Sonnenblumenkerne gerne auch im Einkaufswagen lassen könnten.
  • Die Hektischen: Schieben auf dem Band erstmal wild Sachen von A nach B, anstatt sie einfach einzupacken.
  • Die Kinder: Kaufen eine einzelne Süßigkeit und bezahlen hier gleichermaßen oft mit Karte oder bar. Danach gibt es zwei Optionen: die einen helfen beim Einpacken, die anderen sitzen auf der Bank und essen ihren Schokoriegel.
  • Die Ehrlichen: Sagen, sie hätten letztes Mal hier zwei Tüten zusätzlich genommen, ob ich die bitte jetzt mit abrechnen kann.
  • Die Unersättlichen: Haben einmal Glück und können dann nicht genug kriegen. Einmal habe ich zum Beispiel zwei Tamarillos versehentlich als Tomaten eingegeben, also wesentlich billiger. Anstatt sich einfach zu freuen, steht die Frau fünf Minuten später nochmal bei mir mit einer gesamten Tüte voll damit. Das hat mich gewundert, und ich hab nachgeschaut und meinen Fehler erkannt. Und dann natürlich den richtigen Preis eingegeben.
  • Die Antäuscher: Gehen sofort mit ihren Tüten zum Ende des Bandes, ich freue mich schon – legen sie da dann aber nur hin und gehen wieder zurück.
  • Die Netten: Kaufen Waren für über 1000 SEK ein, haben aber keinerlei Sachen für Kinder darunter. Bis auf die Packung Windeln, die man dann bei uns fast gratis dazu bekommt. Bringen diese also ziemlich sicher netterweise jemandem anderen mit, der ein Baby hat.
  • Die Bemühten: Legen ihre Waren ganz ordentlich aufs Band – nur konsequent mit dem Strichcode genau in die falsche Richtung. Aber besser als nichts! Nächstes mal beim Einkaufen vielleicht dann richtig. Wir an der Kasse würden uns jedenfalls wirklich freuen 😉

93) Genervte Tage

Es wäre an der Kasse ziemlich leicht für mich, oft gestresst zu sein, wenn ich nicht aufpasse. In erster Linie, wenn Kunden mit Großeinkäufen nicht so schnell wie möglich anfangen einzupacken, sondern nur dastehen. Das klingt vermutlich für die meisten Leser hier nicht nach einer besonders nervigen Situation, aber ich beschreib es mal so: Du stehst da, musst aufs Klo, es sind zu wenige Kollegen da und die Pausenablöse kommt nicht, die Schlange wird immer länger, der Kunde vor dir hat zwei volle Einkaufswägen dabei und versorgt anscheinend sein gesamtes norwegisches Dorf mit Süßigkeiten aus Schweden, du hebst den achtunddreißigsten 10 Liter Beutel Hundefutter heute über den Scanner, der Rücken tut weh. Du weißt, ziemlich weit am Anfang des Bandes vorne steht dieser Joghurt von der komischen Marke mit der dünnen Packung, der erfahrungsgemäß ziemlich leicht platzen kann. Ah, da sind wieder diese doofen Fertignudeln, wo der Barcode immer genau im Knick ist und nie funktioniert. Mist, vertippt. Ein früherer Kunde kommt und sagt, ich hätte Tomaten eingegeben, aber es sind Strauchtomaten, die er gekauft hat, und die sind ein bisschen billiger und ob ich das bitte Retour nehmen kann. Moment bitte. Blabla, und dann geht es mit dem Joghurt-Kunden weiter, und anstatt anzufangen Tüten zu packen schaut er gelangweilt auf sein $(#@!$ Handy…

Wie gesagt, das WÄRE sehr leicht, und manchmal passiert es mir auch, dass ich dann genervt und unfreundlich bin. Aber immer öfter schaffe ich es, ruhig zu bleiben. Nach dem Motto „You will never worry yourself out of a problem“ ist komischerweise ja auch noch nie ein Arbeitstag für mich persönlich dadurch besser geworden, dass ich einen Kunden böse angeschaut habe. Ich achte mehr auf meine innere Einstellung, statt nur auf die äußeren Umstände. Wenn man ständig einen Eimer Pferdemist mit sich herumträgt, und dann geschubst wird und ihn verschüttet – warum hat man dann die Kacke verteilt? Zu einem nicht allzu kleinen Anteil ja deshalb, weil sie überhaupt erstmal in meinem Eimer war. Und auch teilweise, weil man vielleicht selbst einfach nicht gut genug aufgepasst hat. Und dann ist es auch egal, ob der andere absichtlich oder versehentlich gerempelt hat – wenn ich keinen Mist in meinem Eimer hab, kann auch keiner auf andere Leute gekippt werden, die eventuell selbst einfach nur einen harten Tag haben oder eine schlechte Phase durchmachen…

Insofern habe ich als Überschrift bewusst nicht „Nervige Tage“ geschrieben, die Tage sind nicht das Problem 😉

Das ist jetzt keine bahnbrechende Erkenntnis, und auch als Lehrerin ist einem natürlich im Kopf auf der theoretischen Ebene klar, dass ein anstrengender Tag in der Schule vermutlich nicht dadurch angenehmer wird, dass man die Schüler ankackt. Aber ich wollte mal beschreiben, inwieweit diese Arbeit hier momentan als Meditation dienen kann, um es in die Praxis umzusetzen…

92) „Meine“ Pferde

Ray ist ein vierzehnjähriger Wallach, 75% Araber, einer der Großväter Andalusier:

Er ist sehr sensibel und der Chef der kleinen Herde, die außerdem noch aus dem sechsjährigen Haflinger Whisper besteht, ebenfalls gelegt:

Whisper arbeitet gerne, deswegen gehen wir oft mit den langen Zügeln im Wald spazieren, so dass er irgendwann auch Kutschen und Schlitten ziehen kann. Den Unterschied, dass man an anderen Pferden ein bisschen knabbern kann, aber nicht an Menschen, beginnt er zu verstehen. Beide Aussagen sind richtig: „Ich übe, mit Whisper ruhig zu sein“ und „Ich übe mit Whisper, ruhig zu sein“. Am Ende spiegeln einem die Pferde ja meistens das, was in einem selbst so los ist, wenn sie es durch negative Erfahrungen nicht verlernt haben. Oder sie geben einem das, was man braucht, wenn man genau hinschaut und ehrlich ist.

Ungefähr zweimal die Woche besuche ich die beiden. Manchmal zum Reiten, manchmal zum Wandern, manchmal zum Putzen und Ausmisten. Mit der Besitzerin verstehe ich mich super und ich bin froh, dass der Kontakt hergestellt wurde und sehr glücklich über jede Minute, die ich dort bin.

Eine der Lektionen, die man da zum Beispiel lernt: Wir haben darüber gesprochen, wie man sich früher vielleicht dabei ertappt hat, sich zu wünschen, Whisper wäre ein bisschen mehr wie Ray. Aber beide sind lieb und toll, und eben sehr unterschiedlich. Das zu sehen und es nicht nur im Kopf theoretisch zu verstehen, sondern es ernsthaft und ohne auch nur minimal zu beurteilen innerlich genau so zu akzeptieren, hilft auch für menschliche Begegnungen.

Whisper hat sich an den sehr heißen Tagen über eine Dusche gefreut. Ray verträgt die Hitze besser, mag dafür aber den schwedischen Winter weniger gern…

Bild oben: Beim Pfifferlinge sammeln… Wir lassen sie immer an den Stellen grasen, wo wir Pilze gefunden haben. Mit der Aussicht darauf, dass sie irgendwann selbst danach Ausschau halten, um dort fressen zu dürfen… unsere Trüffelschweine 🙂

Ich freue mich auf einen zukünftigen Artikel irgendwann, mit der gleichen Überschrift aber ohne die Anführungszeichen…

91) Gemüse wächst

Erstes Bild:

Oben: Eine einzelne Physalis von der einjährigen Pflanze, die mir eine Nachbarin geschenkt hat.

Mitte: Die Blaumeisen-Familie ist schon lang ausgezogen und das Nest habe ich heute aus dem Vogelhaus entfernt, so dass Platz für neue Bewohner ist.

Unten: Ziemlich scharfe Chili im Gewächshaus…

Zweites Bild:

Mitte links: Rote Bete

Mitte rechts: Grünkohl, beides gemeinsam im Beet direkt vor dem Haus

Drittes Bild:

Oben: Kürbis (etwas unklar welche Sorte)

Mitte: roter und gelber Mangold

Unten: Die Bohnen, die an dem Geländer auf der Terrasse hochklettern